Was ist Deismus? Inwiefern ist der Deismus schon immer und heute wieder bedeutend?

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Was ist Deismus? Inwiefern ist der Deismus schon immer und heute wieder bedeutend?

Rainer Langlitz
Veröffentlicht von Rainer Langlitz in Theologoumena · 23 Oktober 2023
Was ist Deismus? Inwiefern ist der Deismus schon immer und heute wieder bedeutend?

Manchmal werde ich gefragt: Was ist Deismus?

Wikipedia schreibt zum Stichwort "Deismus" (Aufruf vom 23.10.2023; Zitat):

"Als Deismus („Gotteslehre“, von lateinisch deus „Gott“) bezeichnet man eine Religionsauffassung, nach der nur Vernunftgründe, nicht die Autorität einer Offenbarung,  zur Legitimation theologischer Aussagen dienen können. Die deistischen  Gottesvorstellungen sind allerdings sehr unterschiedlich. Im engeren  Sinne sind Deisten diejenigen, die das Göttliche als „Ursprung alles  Seienden“ annehmen, konkretes göttliches Eingreifen aber als „nicht  begründbar“ ansehen.[1] Im weiteren Sinne wird der Deismus als freidenkerische Glaubensströmung im Zeitalter der Aufklärung angesehen.

Begriffsbestimmung
Die  Begriffe „Deismus“ und „Deist“ kamen um die Mitte des 16. Jahrhunderts  in Frankreich auf. Es handelt sich um gelehrte Wortbildungen durch  Ableitung aus dem Lateinischen. Der älteste Beleg stammt aus der Instruction Chrestienne, die der Reformator Pierre Viret im Jahr 1564 in Genf veröffentlichte.[2] Verbreitung fanden die Begriffe dann vor allem in Großbritannien. Im Deutschen ist Deist erstmals 1683 bezeugt, Deismus ab 1711.[3]

Die Gemeinsamkeit mit dem „Theismus“  besteht darin, dass beide einen Gott annehmen, der die Schöpfung  vollzogen hat. Der Unterschied besteht im weiteren Verhalten Gottes:  Während der Deismus annimmt, dass Gott nicht weiter in die Welt  eingreift, nimmt der Theismus an, dass Gott jederzeit als Kausalursache  in die Welt eingreifen kann.[1] Für Deisten gibt es keine Wunder (ein Ereignis, das den Naturgesetzen widerspricht) und letztlich auch keine Offenbarung. Ein Einfluss nehmender Gott wie zum Beispiel  im Buch Hiob stünde ferner im Gegensatz zum freien Willen des Menschen. Der Deismus postuliert eine völlige Trennung von Gott und Welt; der Pantheismus dagegen nimmt an, dass Gott und Welt letztendlich eine Einheit bilden.[1]

Zitat Ende.

Ich habe gerade über meine Definition von Deismus nachgedacht.





„Deismus ist [für meine Sichtweise] der Ansatz, monotheistische und anthropomorphe Glaubensvorstellungen durch Vernunft zu entmythologisieren und nach Möglichkeit insbesondere durch Wissen oder durch ein anderes vernunftbasiertes Konzept zu ersetzen oder zum Ausdruck zu bringen.“





Es scheint, dass Konzepte des Deismus notwendig und wichtiger denn je sind.

Warum?

Ich habe das Gebet und solche Sätze tausendmal gelesen, jetzt, wo seit dem 7. Oktober 2023 Krieg zwischen Israel und Palästina herrscht:

"Möge Gott...
schützen...
befreien...
bestrafen..."

Dies sind typische Sätze und Gebete monotheistischer Glaubensvorstellungen. Das sind Wünsche des Menschen.

Aber geschieht etwas oder kommt etwas vom Himmel, von Gott?



Einer der wichtigsten und allgemein ausgedrückten Deismussätze ist der folgende:

GOTT greift nicht (!) in „menschliche“ oder „weltliche“ Angelegenheiten ein. Der Grund dafür ist nicht offensichtlich. Aber wir können es erkennen, indem wir die Situation in dieser Welt beobachten.

GOTT reagiert also nicht auf Gebete.

Zu sagen, dass Jesus als Gottes Sohn auf die Erde gesandt wurde, ist für mich als Deist ein großes Problem!

Die meisten oder fast alle Konzepte des monotheistischen Glaubens sind ein Problem für Deisten!

Im 20. Jahrhundert versuchte auch der deutsche Theologe Rudolf Bultmann, diese Konzepte des monotheistischen Glaubens zu entmythologisieren.

Es scheint, dass Vernunft und Wissen für Deisten wichtig sind.

Konzepte des monotheistischen Glaubens haben in der Geschichte der Menschheit zu viel Schrecken, Bösem, Mord, Tötungen, Kriegen und anderen schlimmen Dingen geführt. Wir erkennen diese Tatsache wieder an der Denkweise der Menschen in Israel und Palästina, aber auch an vielen anderen Orten und Territorien dieser Welt. Diese Menschen beten und hoffen, dass GOTT eingreift, und sie hoffen, dass Gott tut, worum sie beten. Das scheint aus meiner Sicht und der Sichtweise vieler anderer Deisten eine große Illusion zu sein.

Ich würde mir wünschen, dass diese Anhänger monotheistischer Glaubensvorstellungen vernünftiger über ihre Konzepte nachdenken und sich mehr auf Liebe, Menschlichkeit und Frieden konzentrieren, ohne in (mono-)theistischen Illusionen zu leben.

Rainer Langlitz


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