Meditationsworte zur Bedeutung der Heiligen Woche und der Osterbotschaft: Vigilate et Orate

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Meditationsworte zur Bedeutung der Heiligen Woche und der Osterbotschaft: Vigilate et Orate

Rainer Langlitz
Veröffentlicht von Rainer Langlitz in Essays · 3 April 2023
Meditationsworte zur Bedeutung der Heiligen Woche und der Osterbotschaft: Vigilate et Orate

 
Kein Diktator, kein Präsident, keine Bombe werden das letzte (!) Wort über diese Welt haben, sondern allein Gott. Das ist für mich das eigentliche (!) Heilvolle und Trostbringende an der Osterbotschaft des Neuen Testaments der Bibel.

Was bedeutet in diesem Zusammenhang für Sie, liebe Leserinnen und Leser, das "Vigilate et orate" (Wachet und betet!)?
 

Matthäus 26, 36-46 [1] (Zitat):
 
„Das Gebet in Getsemani

36 Darauf kam Jesus mit ihnen zu einem Grundstück, das man Getsemani nennt, und sagte zu den Jüngern: Setzt euch hier, während ich dorthin gehe und bete! 37 Und er nahm Petrus und die beiden Söhne des Zebedäus mit sich. Da ergriff ihn Traurigkeit und Angst 38 und er sagte zu ihnen: Meine Seele ist zu Tode betrübt. Bleibt hier und wacht mit mir! 39 Und er ging ein Stück weiter, warf sich auf sein Gesicht und betete: Mein Vater, wenn es möglich ist, gehe dieser Kelch an mir vorüber. Aber nicht wie ich will, sondern wie du willst. 40 Und er ging zu den Jüngern zurück und fand sie schlafend. Da sagte er zu Petrus: Konntet ihr nicht einmal eine Stunde mit mir wachen? 41 Wacht und betet, damit ihr nicht in Versuchung geratet! Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach. 42 Wieder ging er weg, zum zweiten Mal, und betete: Mein Vater, wenn dieser Kelch an mir nicht vorübergehen kann, ohne dass ich ihn trinke, geschehe dein Wille. 43 Als er zurückkam, fand er sie wieder schlafend, denn die Augen waren ihnen zugefallen. 44 Und er ließ sie, ging wieder weg und betete zum dritten Mal mit den gleichen Worten. 45 Danach kehrte er zu den Jüngern zurück und sagte zu ihnen: Schlaft ihr immer noch und ruht euch aus? Siehe, die Stunde ist gekommen und der Menschensohn wird in die Hände von Sündern ausgeliefert. 46 Steht auf, wir wollen gehen! Siehe, der mich ausliefert, ist da.“

Zitat Ende.

Vgl. dazu auch den Gesang "Vigilate et orate" (Cristóbal de Morales) [2].
 
 
Die Szene des Gebetes Jesu am Ölberg in Jerusalem aus dem Evangelium nach Matthäus im Kapitel 26 ist eingebettet in eine große Passions-Szenerie:

  • Der Todesbeschluss des Hohen Rates
  • Die Salbung Jesu im Haus Simons des Aussätzigen
  • Die Vereinbarung des Judas mit den Hohepriestern
  • Die Vorbereitung des Paschamahls
  • Das Mahl
  • Die Ankündigung der Verleugnung
  • Das Gebet in Getsemani
  • Die Gefangennahme Jesu
  • Das Bekenntnis Jesu vor dem Hohen Rat
  • Die Verleugnung des Petrus
                     
 

Johann Sebastian Bach hat diese Szenerie des Matthäus-Evangeliums in sein weltberühmtes und großartiges Oratorium der Matthäus-Passion umgesetzt.

 
Ausgehend vom Sonntag Palmarum (Palmsonntag) beginnt jeweils am Montag die Karwoche. Der Donnerstag dieser Woche ist der Gründonnerstag. Der Freitag wird der Karfreitag, und der Samstag dieser Woche vielfach Karsamstag genannt. Diese Karwoche oder auch Heilige Woche ("Semaine Sainte"), wie sie im Französischen genannt wird, mündet in den Ostersonntag, dem Fest der Auferweckung Christi von den Toten: ein spezielles Fest der christlichen Kirche. So gibt es in dieser Heiligen Woche auch viele Gesänge als Aufruf zum Wachen und Beten: „vigilate et orate“.
 
Der Frühling und wärmere Temperaturen lassen in diesem Jahr außerordentlich lange auf sich warten. Die Zeit ist vor allem vom Russland-Ukraine-Krieg überschattet. Dieser Krieg scheint die Atmosphäre und das Klima erkalten zu lassen. Was bringt das Beten? Es gab schon vermehrt Friedensgebete. Doch der Ruf der Gemeinde Gottes unter der Gemeinschaft der Menschen nach Frieden blieb bislang unerhört: Der Krieg im Osten Europas hält immer noch an!

Heute Morgen las ich online in der Berliner Zeitung (BZ) folgenden Online-Artikel [3] vom 01 April 2023 (Zitat 1):

„Frieden für die Ukraine: Ein Friedensappell aus der Mitte der Gesellschaft
 
Frieden schaffen: Waffenstillstand, Verhandlungen und gemeinsame Sicherheit. Das fordert eine Friedensinitiative für Europa, für die Ukraine.“

Zitat 2:

„Unsere Welt ist auf Gegenseitigkeit angewiesen, nur so sind die großen Herausforderungen unserer Zeit zu bewältigen. Entscheidend ist es, die Eskalation des Krieges zu stoppen. Wir ermutigen den Bundeskanzler, zusammen mit Frankreich insbesondere Brasilien, China, Indien und Indonesien für eine Vermittlung zu gewinnen, um schnell einen Waffenstillstand zu erreichen. Das wäre ein notwendiger Schritt, um das Töten zu beenden und Friedensmöglichkeiten auszuloten. Nur dann kann der Weg zu einer gemeinsamen Sicherheitsordnung in Europa geebnet werden.

Initiatoren und Verantwortliche:
 
Prof. Dr. Peter Brandt, Historiker; Reiner Braun, Internationales Friedensbüro; Reiner Hoffmann, ehem. DGB-Vorsitzender; Michael Müller, Bundesvorsitzender der Naturfreunde, Parl. Staatssekretär a. D.“

Zitat Ende.

Bereits am 25. Februar 2023 hatten Sahra Wagenknecht und Alice Schwarzer zu einer großen Friedensdemonstration in Berlin am Brandenburger Tor aufgerufen. Nach Angaben und Schätzungen der BZ waren ca. 50.000 Menschen zu dieser Demonstration gekommen. Auch die Petition "Manifest für Frieden" vom 10. Februar 2023, das mittlerweile fast 800.000 Menschen unterschrieben haben, sei in diesem Zusammenhang mit Sahra Wagenknecht und Alice Schwarzer erwähnt.

Angst und Beklemmung prägen das Kapitel 26 des Matthäus-Evangeliums.

Es herrscht eine bedrückte Stimmung.

Es wird zum Wachen und zum Beten aufgerufen.

Es herrscht die Angst vor dem letzten Gang:

  • die Angst vor dem Unvermeidlichen.
  • die Angst vor dem Kreuz.
  • die Angst vor dem Sterben.
     
Die Passionserzählungen der Evangelien verbinden die Tradition des Pessachs des Judentums mit dem Gründonnerstag des Christentums:
 
Das Pessachfest soll an die Frühlingsernte der Gerste erinnern und an die Befreiung Israels aus der Knechtschaft Ägyptens. Pessach (hebräisch „Vorüberschreiten“) gehört zu den wichtigsten Festen des Judentums, denn mit dem Auszug aus Ägypten beginnt die Geschichte des Volkes Israel. Dabei werden die Unterdrückung und der Tod einer ganzen Volksgruppe (Volk Israel) gesteigert durch die Hinrichtung, die Kreuzigung und durch den Tod des Sohnes Gottes selbst.
 
Das Neue Testament vergleicht den Gekreuzigten mit dem Geschundenen: Jesus wird mit dem Knecht Gottes [4] aus dem Jesaja-Buch verglichen (Zitat):

„Eine besondere Rolle spielt der Gottesknecht in den vier so genannten Gottesknechtsliedern des Jesajabuches (Jesaja 42,1-4 Jesaja 49,1-6 Jesaja 50,4-9 Jesaja 52,13–53,12). Hier hat der Knecht Gottes den Auftrag, das niedergedrückte Israel wieder aufzurichten und Gottes Tora in der Völkerwelt bekannt zu machen. Die Identität dieses Gottesknechts ist eher geheimnisvoll. Es könnte sich um den Propheten selbst handeln, aber auch um den Messias oder insgesamt um das Volk Israel. Alle diese Möglichkeiten werden in der Auslegungsgeschichte der Texte vertreten. Im vierten und letzten dieser Gottesknechtslieder nimmt der Gottesknecht die Schuld »der vielen« auf sich und leidet stellvertretend für sie. Deshalb wird dieser Text im Neuen Testament als Weissagung auf JesusChristus verstanden, der am Kreuz »für die vielen Menschen« stirbt (Markus 10,45 vgl. Jesaja 53,12; siehe auch Lukas 23,34).

Zitat Ende.

Vom Dunkel der Osternacht erwächst langsam, aber sicher ein Licht am Ostermorgen.

Es keimt der Samen der Hoffnung, die für das Überleben und für das Durchhalten so wichtig sind.

Auch wir können vielfach in Angst geraten.
 
Das Neue Testament will mit seiner Osterbotschaft zum Ausdruck bringen, dass kein einziger Herrscher dieser immanenten Welt das eigentliche Sagen hat, sondern allein Gott, der der Höchste ist und der das A+O ist: Anfang und Ende.


Was bedeutet in diesem Zusammenhang für Sie, liebe Leserinnen und Leser, das "Vigilate et orate"?

Für mich bedeutet das "vigilate et orate" vor allem, die Geschehnisse in der Welt mit offenen Augen zu betrachten, nicht wegzuschauen, aber auch im Angesicht von Ostern nicht zu verzweifeln und nicht zu verzagen an den Zuständen und den Geschehnissen in dieser Welt - weder im persönlich-individuellen Bereich, noch innerhalb des Bereichs der ganzen Menschheitsfamilie.

Denn kein Diktator, kein Präsident, keine Bombe werden das letzte Wort über diese Welt haben, sondern allein Gott. Das ist für mich das eigentliche Heilvolle und Trostbringende an der Osterbotschaft des Neuen Testaments der Bibel.


Rainer Langlitz


Anmerkungen:







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