Corona-Impfung und die andere Seite verstehen lernen: Impfgegner und Impfbefürworter im Dialog

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Corona-Impfung und die andere Seite verstehen lernen: Impfgegner und Impfbefürworter im Dialog

Rainer Langlitz
Veröffentlicht von Rainer Langlitz in Essays · 12 November 2021
Corona-Impfung und die andere Seite verstehen lernen: Impfgegner und Impfbefürworter im Dialog

Von der Notwendigkeit und der Fähigkeit des gegenseitigen Verstehens innerhalb des diskursiven, gesellschaftlichen Dialogs

Die Fähigkeit des verbal-kommunikativen Austausches ist mitunter Kennzeichen des menschlichen Zusammenseins.

Diese Fähigkeit ist Ausdruck der sozialen Kompetenz des einzelnen Menschen.

Oftmals ist uns diese Fähigkeit der sozialen Kompetenz abhanden gekommen; im anderen Fall war sie noch nie vorhanden und muss deshalb erlernt werden.

Die Corona-Pandemie zeigt uns stärker als jemals zuvor, wie wichtig es ist, einander in einer Gesellschaft verstehen zu wollen:

Wir sind nun an einer Stelle der Corona-Pandemie angekommen, wo Impfbefürworter und Impfgegner einander gegenüber stehen.

Die einen reden von "Impfdiktatur", die anderen von der "Tyrannei der Ungeimpften" oder von der "Pandemie der Ungeimpften".

Damit sind selbstverständlich auch Argumente, Emotionen und heftige Diskussionen in allen gesellschaftlichen Bereichen und auf allen gesellschaftlichen Ebenen verbunden.

Derzeit scheint die Impfdebatte eine unüberwindbare Front darzustellen.

Fast alle Politikerinnen und Politiker bauen zusätzlich Druck auf und rufen tagtäglich zur Corona-Impfung auf.

Im November 2021 schnellen die Inzidenzen der Corona-positiven Menschen in die Höhe.

Das Handelsblatt überschreibt einen Online-Artikel am 12. November 2021 (Link, hier):

"RKI meldet 48.640 Neuinfektionen – Inzidenz steigt auf 263,7. Die Sieben-Tage-Inzidenz erreicht einen neuen Höchstwert. Die Zahl der  Neuinfektionen ist im Wochenvergleich um 11.520 Fälle gestiegen. Das RKI  meldet zudem 191 neue Todesfälle."

Dieser Beitrag im ZDF (Link, hier) spiegelt etwas wider von dem gesellschaftlichen Diskurs in Bezug auf die Corona-Pandemie und die damit verbundenen Maßnahmen. Dieser Beitrag steht meiner Ansicht nach stellvertretend für die derzeitige Diskussion. Wir alle als Teile dieser Gesellschaft müssten wieder lernen, einander zuzuhören und einander zu verstehen versuchen. Es macht wenig Sinn, auf die eigene Meinung und auf die eigene Sichtweise zu beharren, ohne dabei die Sichtweise des anderen oder der anderen verstehen zu wollen. In einer Gesellschaft, wie wir sie in Deutschland, Europa und allgemein in der westlichen Welt vorfinden, ist der diskursive Austausch essentiell. Diskursiv bedeutet in diesem Fall, gegenteilige Meinungen auszutauschen, auszuhandeln, auszutarieren, abzuwägen und eine Synthese aus Meinung B,  die der Meinung zu A widerspricht, zu finden.

Wir müssten also lernen, gesellschaftlich mehr zu diskutieren, um Kompromisse und vor allem Lösungen zu suchen und zu finden.

Die Corona-Pandemie ist insofern neben der Klimadiskussion zum Paradebeispiel an essentiellem diskursiven Diskussionsbedarf geworden.

Herzliche Einladung an euch alle, sich diese Form der Diskussion im ZDF anzuschauen und innerlich mitzugehen mit den vorgetragenen Argumenten und Emotionen.

Wir müssen lernen, uns mehr auszutauschen.

  • Die Zeit, mit dem Säbel zu rasseln...
  • Die Zeit, aufeinander Bomben zu werfen...
  • Die Zeit des gegenseitigen Tötens...

...muss und sollte vorbei sein!

Im 21. Jahrhundert im Zeitalter der Transformation muss es möglich sein, diskursiv, friedlich, lösungsorientiert und diplomatisch scheinbar unüberbrückbare Widerstände bzw. Konfrontationen quasi wie in einem Schiedsgericht zu schlichten.

Dazu bedarf es, in jedem Fall die andere Seite verstehen zu wollen und nicht ausschließlich auf das eigene Recht zu beharren.

Eine gelingende Gesellschaft lebt nicht von Solidarität, die letzten Endes doch geheuchelt ist angesichts des Egoismus des Menschen.

Eine gelingende Gesellschaft lebt von einer lösungsorientierten, gemeinsamen Diskussion aller beteiligten Meinungen.

Keine einzige Meinung darf ignoriert werden.

Der Grundsatz des Humanismus ist das Menschliche selbst.

Jeder Mensch, sei er von der politischen Gesinnung rechts oder links, hat eine persönliche Vorgeschichte: Eltern, persönliche Erfahrungen von Diskriminierung, von persönlicher Ausgrenzung und Erniedrigung und so weiter.

Kein Mensch hat das Recht zu sagen:

"Deine Meinung ist nichts wert."

Auch ein ungeimpfter Mensch und selbst ein rechtsextremer Mensch ist und bleibt ein Mensch, den es zu verstehen gilt.

Grenzt eine politische Regierung solche Menschen aus und versucht sie, solche Menschen nicht mehr zu verstehen in ihrer Meinung und Haltung, dann hat die politische Regierung versagt. Versagt hat sie deswegen, weil sie vorher den notwendigen diskursiven Dialog nicht gesucht hat, sondern diktatorisch, autokratisch und drakonisch die Meinung des anderen auszuschalten versucht hat.

Eine Gesellschaft kann nur dann als Gesellschaft existieren, wenn sie versucht, die Randgruppen der Gesellschaft zu verstehen.

Wie lange und wie extrem wurden homosexuelle Menschen im Laufe der Geschichte der Menschheit ausgegrenzt und bösartig behandelt?

Und wie sieht man nun, nachdem ein gegenseitiges Verständnis aufgebracht wurde, jene Männer und Frauen, die gleichgeschlechtlich orientiert sind und die über Jahrhunderte hinweg diskriminiert wurden?

Ähnliche Ausgrenzung erleben wir mit dem Phänomen des Links- und Rechtsextremismus und aktuell mit ungeimpften Menschen.

Wenn wir als Gesellschaft vorankommen wollen, dann müssen wir im Zeitalter der Transformation Inklusion vorantreiben, indem wir aufeinander zugehen und uns gegenseitig zu verstehen versuchen.


Rainer Langlitz


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