Wie können gesellschaftliche Verhältnisse verbessert werden?

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Wie können gesellschaftliche Verhältnisse verbessert werden?

Rainer Langlitz
Veröffentlicht von Rainer Langlitz in Essays · 23 Oktober 2021
Wie können gesellschaftliche Verhältnisse verbessert werden?

Der einzelne Mensch als Teil einer Gemeinschaft: „Alle für einen – einer für alle und damit bedingungslose Solidarität“ oder eher „Respekt für Dich!“?
 
 
Wie viele Menschen sind bereits gestorben, weil...
 
  • sie ein Schwert von einem anderen Menschen in die Rippen gestochen bekamen?
  • ein Bombenhagel sie getötet hat?
  • kein Brot, kein Wasser vorhanden waren?
  • ein Auto sie totgefahren hat?
       

Diese Reihe könnte noch lange fortgeführt werden…
 

 
Bedingungslose Solidarität oder respektvoller Egoismus?
 
Im 21. Jahrhundert sind Medizin, Technik und sonstiges Wissen weit vorangekommen und fortgeschritten.
 
Dennoch gibt es Dualitäten, Polaritäten, Ambivalenzen und Antinomien.
 
Müssen wir dies einfach akzeptieren so, wie wir auch Tag und Nacht oder wie Ebbe und Flut als solche akzeptieren müssen?
 
Es gab und gibt einige Grundsätze, die die Philosophie und damit die Ethik als Lehre vom rechten Verhalten formuliert haben:

  • die Formulierung der Goldenen Regel oder die Formulierung des Kategorischen Imperativ.
 
  • die Frage, ob ein Krieg gerecht sein kann.
 
  • die Frage nach dem Tyrannenmord.
 
Wie erklärt es sich, dass immer noch so viel Dualität auf dieser Welt vorhanden ist?
 
Die christliche Kirche geht als schlechtes Beispiel voran:
 
Angehäuft von Goldaltären in den Kirchen und angefüllt von Gold und Geld in den kirchlichen Tresoren und Bankkonten schaut sie lediglich zu, predigt und verwaltet ihren Reichtum.
 
Die einen präferieren den Kapitalismus und stellen die Motivation, die Anstrengung, die Belohnung und damit das Marktgeschehen in den Vordergrund. Andere wiederum rufen nach Kommunismus, Gleichheit aller Menschen und Reichtum für alle.
 
Die Welt erscheint als eine Geschichte der Veränderung!
 
Was hat sich verbessert?
 
Die Welt hat sich rasant verändert in den letzten Jahrhunderten.
 
Die Menschheit steht meines Erachtens, wenn sie nicht dringend Vieles besser macht als bisher, kurz davor, in einen tiefen Abgrund zu stürzen.
 
Die Klimaveränderung ist ein globales Problem!
 
Wir dürfen bei aller Corona-Problematik nicht die Augen verschließen vor all den anderen Problemen, denen sich die Menschheit ausgesetzt sieht:



Probleme im 20./21. Jahrhundert (Link zu meinem Blogartikel, hier)
 
 
- Der Versuch einer Übersicht -
 
 
 
Die problematische Realität des Einzelnen
 
 
·Angst, Depression und Orientierungslosigkeit
 
·Stressfaktoren und Stresskrankheiten als Phänomen der Gegenwart
 
·Zunahme psychopathologischer Krankheitsbilder
 
·allgemeine Probleme bei der Lebensbewältigung in Alltag und Beruf
 
·Fragen nach dem Sinn des Lebens
 
·Probleme der Langeweile, Lustlosigkeit und Trägheit (Probleme der Motivation)
 
·Alkoholismus und Drogenkonsum
 
·Beziehungsprobleme, Probleme innerhalb der Familie
 
·Fragen der Identität und Identitätskrisen
 
·Probleme der Akzeptanz des Einzelnen in der Gesellschaft
 
·Fragen bezüglich des Alt-Werdens
 
·Existenzbedrohung (Problem der Finanzierung der eigenen Wohnung, Verlust der Wohnung und Obdachlosigkeit)
 
·persönliche Schicksalsschläge
 
·die Frage nach dem Grund von bedrohlichen Krankheiten
 
·Fragen zu Sterben und Tod
 
·Sterbebegleitung
 
·Freitod und Euthanasie
 
·Existenzbedrohungen wie Verlust des Arbeitsplatzes
 
·Mobbing am Arbeitsplatz und psychosoziale Ausgrenzung des Einzelnen
 
·Vereinsamung des Einzelnen aufgrund fehlender familiärer Bindungen und fehlender Integration in der Gesellschaft
 
 
 
 
Die problematische Realität in der Gesellschaft
 
 
1.) Ökonomie und Politik
 
 
·Probleme im Wirtschaftssystem des Kapitalismus (Wirtschafts- und Finanzkrise)
 
·Staatsverschuldung
 
·Probleme der Kommunen
 
·Generationenkonflikt
 
·Gesundheitsreform, Rentenreform und die Verschiebung der Alterspyramide
 
·Steuervereinfachung, Steuerreform und Steuerhinterziehung
 
·Hartz IV – Diskussionen und Gerechtigkeitsdebatten der Zumutbarkeit von Arbeit
 
·Regierungskrise und Stillstand der Politik, Politikverdrossenheit
 
·Arbeitslosigkeit

 
 
 
2.) Ökologie
 
 
·Treibhaus-Effekt, Luft- und Wasserverschmutzung, Klimaveränderung
 
·Klimakatastrophe
 
·Öl-Tanker-Unfälle und die Zerstörung der Lebensgrundlagen der Vielfalt der Tierwelt
 
·Bedrohung der Sicherheit der Menschen durch Atomreaktoren, durch Strahlung und die Entsorgung des Atom-Mülls
 
·Müllentsorgung, Müllvermeidung, Verpackungsproblematik
 
 
 
3.) Theologie und Kirche
 
 
·Kirchenaustritte
 
·Abendmahlsverständnis und Ökumene
 
·Säkularisierung
 
·Kinderschändungsskandale
 
·Zölibat in der katholischen Kirche
 
·Probleme im Dialog zwischen der Amtskirche und den anderen Religionen
 
·Probleme zwischen der Amtskirche und der Kirche von unten
 
·Zulassung der Frauen zum Priesteramt in der katholischen Kirche
 
·Probleme der Moraltheologie
 
 
 
 
Die problematische Realität in der Welt
 
 
·Abrüstung und die Gefahr einer atomaren Bedrohung durch Nuklearanschläge
 
·Nahostkonflikt
 
·Israel und die Siedlungspolitik
 
·Palästinenser-Konflikt
 
·Irak-Problematik
 
·Terrorismus und die Unkalkulierbarkeit von Terroranschlägen
 
·Iran-Konflikt
 
·Diktatorische Regime
 
·Illegaler Waffenhandel
 
·Unterdrückung von Menschenrechten
 
·Probleme der Erniedrigung von Frauen
 
·Afghanistan-Problematik
 
·Weltwirtschaftskrise und Probleme der Weltkonjunktur
 
·Probleme in den Entwicklungsländern
 
·Armut in der Dritten Welt
 
·Schwellenländer
 
·Rodung des Regenwaldes
 
·Bedrohung der Biodiversität von Leben (Artensterben)
 
·Abschmelzen der Polkappen
 
·Auswirkungen des Kalten Krieges
 
·Nord-Süd-Korea-Konflikt
 
·Ungerechtigkeit zwischen Nord- und Südhalbkugel
 
·Erdbeben und Naturkatastrophen
 
·Probleme der Euro-Stabilität in den EU-Ländern und des Staatsbankrottes
 
·Seuchen und Pandemien
 
·Problem der Möglichkeit zukünftigen menschlichen Lebens auf dem Planet Erde
 
·Demokratie in der arabischen Welt
 
·Flüchtlingsproblematik
 
 
 
Wie können wir existieren angesichts dieser Problemlage?

 
Jüngst führte ich einen kleinen Disput mit einer Person in Facebook. Er meinte, man müsse sich zum einen aus gesellschaftlicher Solidarität und auch aus christlicher Nächstenliebe heraus gegen COVID-19 impfen lassen. Es sei egoistisch, wenn man sich nicht impfen lasse. Er und die Gesellschaft, alle wollten doch schließlich zur Normalität zurück!
 
Was christliche Nächstenliebe doch scheinbar alles bewegen kann (Sorry für meine Ironie an dieser Stelle...!):

Kreuzzüge und Kriege im Namen Gottes!
 
Sind Christen per se bessere Menschen?
 
Und was bedeutet Solidarität?
 
Wie verhält man sich solidarisch?

Einer für alle - alle für einen?
 
Wird hier Solidarität seitens von Geimpften gefordert und Egoismus den Ungeimpften vorgeworfen?
 
Also alles so weiter wie vorher? Haben wir nichts aus der Geschichte gelernt, dass eine Gleichmacherei im nationalsozialistisch-diktatorischen Sinne falsch ist?
 
Geht es nicht vielmehr darum, dass jeder an sich denken muss?
 
Es gibt in unserem modernen Staat Deutschland ein breites und hervorragendes Auffangnetz für Hilfesuchende.
 
Die Forderung, Mutter Teresa für Andere zu sein, lehne ich jedoch ab!
 
Hilfe wird angeboten! Aber die, die anderen helfen, tun dies nicht aus ausschließlich altruistischen Aspekten heraus, sondern ebenfalls aus egoistischen Gesichtspunkten: sie leben davon! Sie bekommen wiederum ein Gehalt und finanzieren wiederum damit ihr eigenes Leben.
 
Die Devise muss also lauten:

Nicht eine Solidarität fordern ohne Gegenwert!
 
Der Mensch neigt zum Egoismus, was nicht per se schlecht ist.
 
Der Mensch möchte leben, und er möchte lebenssatt sterben.
 
Keiner möchte zu früh aus diesem Leben scheiden – und schon gar nicht, weil andere dieses Lebensende forciert haben.
 
Die Devise muss lauten:
 
Jede(r) ist sich selbst der Nächste!
 
Jede(r) muss zunächst auf sich selbst aufpassen und für sich Sorge tragen.
 
Es heißt nicht umsonst: „Jeder ist seines Glückes Schmied!“
 
Als ich 2012 aus Schwachheit in ein Kloster eintreten wollte, wurde mir vom Prior nahe gelegt: „Wir können Sie hier nicht mittragen! Sie müssen lernen, sich selbst zu tragen!“
 
Darum geht es:

Sich selbst tragen und nicht an der falschen Stelle Solidarität einfordern.
 
So wie ich von anderen nicht fordern kann, sich nicht impfen zu lassen, so kann mir niemand vorschreiben, wie ich mein Leben zu leben habe.

Jeder muss in optimaler Weise für sich und sein Leben sorgen!
 
Niemand hat verlangt, dass Krankenschwester und Krankenpfleger diesen Beruf ausüben müssen. Sie haben sich freiwillig dazu entschieden - aus welchen Gründen auch immer.
 
Und nun hört man: die bösen, bösen Ungeimpften kommen auf die Krankenhaus-Stationen und belasten uns!
 
Wo haben diese Pfleger und Krankenschwestern gejammert, als Influenza-Patienten intensiv behandelt werden mussten?
 
Jammern Ärzte und das Personal etwa über ihre Arbeit an sich?
 
Haben sie ihren Grundsatz vergessen, dass sie kranken Mensch helfen wollen, um wiederum damit ihr Leben finanzieren zu können?
 
Niemand verlangt Unmögliches! Niemand verlangt, dass Pfleger und Krankenschwestern rund um die Uhr arbeiten sollen. Im Gegenteil: das Krankenhauspersonal muss entlastet und besser entlohnt werden.
 
Aber diese Gejammere vom Krankenhauspersonal irritiert mich etwas!
 
Ist nicht der Staat in der Verantwortung, wenn er Krankenhäuser privatisiert und damit dem Profit-Prinzip unterworfen hat?
 
Respekt für Dich! So lasen wir es auf vielen SPD-Wahlplakaten bei der Bundestagswahl im Herbst 2021.
 
Zunächst bedeutet „Respekt für Dich!“, dass ich prinzipiell meinen Blick auf mich zurück richte und mich selbst im Blick habe.
 
Kein Mensch kann die Welt alleine retten!
 
Was kann also helfen?
 
Respektvoller Egoismus!
 
Dort Hilfe in Anspruch nehmen, wo derjenige gerne Hilfe anbietet, weil er wiederum für dieses Hilfsangebot Geld bekommt und deswegen gerne hilft – jedoch nicht bedingungslos solidarisch.
 
Ich bin ein autonomer Mensch.
 
Ich lebe noch (!) in einer einigermaßen freien Gesellschaft.
 
Die Forderung nach einer bedingungslosen, christlich angehauchten bedingungslosen christlichen Solidarität in einer kommunistisch-christlichen Gleichmacherei scheint mir eindeutig der falsche Weg!
 
Respekt für Dich selbst! Respektiere Dich zunächst selbst! Werde aufmerksam auf Dein eigenes Leben und lerne Verantwortung für Dein eigenes Leben zu übernehmen.
 
Schau nicht so sehr auf andere Menschen und was sie haben!
 
Und noch eines darüber hinaus:
 
Respekt für Dich bedeutet auch, realistisch zu sein:
 
Es wäre zwar schön, im Lotto etliche Hundert-Tausend Euro zu gewinnen und dann endlich reich zu sein!
 
Das Leben vom „Hans im Glück“ lehrt uns jedoch etwas Anderes!
 
Hans wollte sich auch selbst verwirklichen. Er betrachtete zwar sich selbst und wollte etwas aus sich machen. Aber wer zu viel will, fällt hin und zurück, von wo er gekommen ist. Das gleiche Prinzip kennt auch das Märchen von dem Fischer und seiner Frau…
 
„Respekt für Dich!“ bedeutet also auch: Werde nicht gierig!
 
Schone, wo immer es geht, deine Umwelt und die Ressourcen!
 
Wir sind auf diese Welt gekommen. Niemand hat uns gefragt, ob wir auf diese Welt kommen wollten. Jetzt sind wird da und sind nach Freud einem Selbsterhaltungstrieb unterworfen. Das Mutter-Teresa-Prinzip ist ein falsches Prinzip!
 
Hilfe muss angeboten werden! Ja!
 
Mitmenschlichkeit ist gut! Aber bedingungslose Solidarität ist nicht möglich und auch nicht erstrebenswert!
 
Vielmehr fordern manche Menschen eine Solidarität dort ein, wo sie für sich persönlich auch wiederum einen persönlichen Nutzen erwarten.
 
Das Prinzip kann nur so funktionieren, wenn Hilfe belohnt wird. Das unentgeltliche Mutter-Teresa-Prinzip erscheint mir falsch.
 
Wer Zeit und Lust hat, darf und soll sich ehrenamtlich engagieren.
 
Aber selbst das Ehrenamt ist kein bedingungsloses, gesellschaftliches Engagement, sondern wird auch aus egoistischen Momenten ausgeführt: die meisten Menschen, die ein Ehrenamt ausüben, bekommen dafür im ideellen Sinne viel von anderen Menschen zurück.
 
Selbst Mutter Teresa war letzten Endes egoistisch. Sie soll sich gewünscht haben, dass im Himmel ganz viele kranke Menschen auf sie warten werden. Leidfortführung, damit ich mein egoistisches Bedürfnis befriedigen kann?
 
Dieses Prinzip ist falsch.
 
Wenn das Krankenhauspersonal seinen Dienst nicht ausführen möchte, dann muss ein anderer Ausweg gefunden werden.
 
Der Dienst am kranken und hilfsbedürftigen Menschen muss entsprechend attraktiv entlohnt werden. Der zeitliche Pflegerahmen muss von einem respektvollen Menschenbild geprägt sein.
 
Wenn niemand mehr diesen Dienst ausüben möchte, dann haben wir ein Problem!
 
Denn wir alle werden einmal alt. Der Dienst am Menschen muss in Folge von Tarifverhandlungen endlich besser entlohnt werden. Es müssen stärkere Anreize geschaffen werden, dass sich der Dienst am Menschen wieder lohnt. Die Privatisierung von Krankenhäusern und Altenheimen muss aufhören. Hier müssen wir vom Profit-Prinzip wegkommen und die Pflege vom Profit-Prinzip entkoppeln. Der Dienst am Mitmenschen ist kein bedingungsloser Akt der Solidarität, und den Begriff des Dienstes aus christlicher Nächstenliebe würde ich hier ganz außen vor lassen, denn dafür haben Christinnen und Christen zu viel Mist gebaut und "Sünde" auf sich geladen.

Sicherlich können wir nicht alle Probleme sofort und auf einen Streich lösen!

Bedingungslose Solidarität einzuforden, halte ich für den falschen Ansatz!

Wir Menschen denken in aller Regel egoistisch.

Es muss das Prinzip der Mitte gelten:

So, wie die Soziale Marktwirtschaft die Mitte aus freier Marktwirtschaft und Planwirtschaft darstellt, so stellt "Respekt für Dich!" (respektvoller Egoismus) die Mitte aus Egoismus und bedingungsloser Solidarität dar.

Zu einem respektvollen Egoismus gehört sicherlich auch weiterhin das Prinzip von "Fördern und Fordern"!


Rainer Langlitz



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