Wie ist der Russland-Ukraine-Krieg einzustufen?
Veröffentlicht von Rainer Langlitz in Essays · Donnerstag, 28. Mai 2026 · 25 Minuten
Der Krieg zwischen Russland und der Ukraine gehört zu den bedeutendsten geopolitischen Konflikten des 21. Jahrhunderts. Seit der Eskalation im Jahr 2014 und insbesondere seit dem großangelegten russischen Angriff im Februar 2022 stellt sich die Frage, wie dieser Krieg historisch, politisch und moralisch einzuordnen ist. Dabei prallen unterschiedliche Sichtweisen aufeinander: Für die einen handelt es sich um einen klaren Angriffskrieg Russlands gegen einen souveränen Staat; für andere ist der Konflikt Ausdruck eines langen geopolitischen Machtkampfes zwischen Russland und dem Westen. Um den Krieg besser zu verstehen, müssen Ursachen, Verlauf und mögliche Lösungsansätze differenziert betrachtet werden.
1.) Was sind die Ursachen des Krieges?
Die Ursachen des Krieges liegen sowohl in historischen als auch in geopolitischen Entwicklungen. Nach dem Zerfall der Sowjetunion 1991 verlor Russland große Teile seines Einflussgebietes in Osteuropa. Viele ehemalige Sowjetrepubliken orientierten sich zunehmend an Europa und der NATO. Russland empfand diese Entwicklung vielfach als Bedrohung seiner Sicherheitsinteressen.
Besonders die Ukraine spielte dabei eine zentrale Rolle. Das Land ist geografisch, wirtschaftlich und kulturell eng mit Russland verbunden. Gleichzeitig entwickelte sich in großen Teilen der ukrainischen Bevölkerung der Wunsch nach einer stärkeren Anbindung an die Europäische Union. Dies zeigte sich besonders während der Maidan-Proteste 2013/2014, die zum Sturz des prorussischen Präsidenten Wiktor Janukowytsch führten.
Russland deutete diese Ereignisse teilweise als vom Westen unterstützten Machtwechsel und befürchtete einen dauerhaften Verlust seines Einflusses auf die Ukraine. In der Folge annektierte Russland 2014 die Krim und unterstützte prorussische Separatisten im Donbas.
Eine wichtige Rolle spielt in diesem Zusammenhang auch die NATO-Osterweiterung. Seit den 1990er Jahren traten zahlreiche osteuropäische Staaten der NATO bei. Russland sah darin zunehmend eine strategische Einkreisung durch den Westen. Besonders kritisch wurde die Möglichkeit einer NATO-Mitgliedschaft der Ukraine betrachtet.
Hier wird häufig auf die sogenannte Monroe-Doktrin der USA verwiesen. Diese außenpolitische Doktrin aus dem Jahr 1823 formulierte den Anspruch der Vereinigten Staaten, fremde Einflüsse in der westlichen Hemisphäre zurückzudrängen und Lateinamerika als amerikanische Einflusssphäre zu betrachten. Im Laufe der Geschichte wurde die Monroe-Doktrin mehrfach genutzt, um politische und militärische Eingriffe der USA in Lateinamerika zu rechtfertigen. Befürworter der russischen Sichtweise argumentieren daher, dass auch Russland ähnlich wie die USA in geopolitischen Einflusssphären denke und verhindern wolle, dass ein militärisches Bündnis wie die NATO direkt an seine Grenzen rückt.
Auch der Kosovo-Krieg von 1999 beeinflusste das Verhältnis zwischen Russland und dem Westen nachhaltig. Damals griff die NATO ohne ausdrückliches Mandat des UN-Sicherheitsrates militärisch gegen Serbien ein. Russland wertete dies als Missachtung des Völkerrechts und als Zeichen dafür, dass der Westen bereit sei, militärisch auch ohne Zustimmung Russlands zu handeln. Später nutzte Russland den Kosovo-Fall als Argumentation für die Anerkennung der Krim-Annexion und verwies auf angebliche westliche Doppelmoral.
In diesem Zusammenhang wird häufig die Rede von Gregor Gysi vom 13. März 2014 im Deutschen Bundestag erwähnt. Gysi kritisierte darin sowohl die russische Politik als auch die Politik des Westens. Er warnte davor, die Sicherheitsinteressen Russlands vollständig zu ignorieren, und verwies auf Fehler der NATO-Osterweiterung sowie auf den Kosovo-Krieg. Gleichzeitig betonte er jedoch, dass die Annexion der Krim völkerrechtswidrig sei. Die Rede gilt deshalb als Versuch, die Krise differenziert und geopolitisch einzuordnen, ohne einseitig Partei zu ergreifen.
Link zu Rede von Dr. Gregor Gysi vom 13. März 2014:
[Rede im Wortlaut siehe Anmerkung unten!]
Im Zusammenhang mit der Kritik an westlicher Außenpolitik wird zudem häufig auf militärische Eingriffe der USA verwiesen. Besonders der Irakkrieg 2003 sowie amerikanische Interventionen und Einflussnahmen in Lateinamerika gelten vielen Kritikern als Beispiele dafür, dass auch westliche Staaten wiederholt gegen internationales Recht oder das Prinzip staatlicher Souveränität verstoßen hätten. Auch Spannungen zwischen den USA und Venezuela sowie Konflikte mit dem Iran werden häufig als Ausdruck geopolitischer Machtpolitik interpretiert. Dabei wird argumentiert, dass Großmächte – unabhängig von ihrer politischen Ordnung – häufig versuchen, ihre Interessen und Einflusssphären militärisch, wirtschaftlich oder politisch abzusichern.
Gegner dieses Vergleichs betonen wiederum, dass frühere Fehler oder Völkerrechtsverstöße westlicher Staaten keinen russischen Angriffskrieg rechtfertigen könnten. Sie warnen davor, unterschiedliche Konflikte einfach gleichzusetzen.
Die Ursachen des Krieges sind somit vielschichtig: Sicherheitsdenken, geopolitische Machtinteressen, nationale Identität, historische Erfahrungen und internationale Spannungen greifen ineinander.
2.) Wie ist der Verlauf des Krieges zu analysieren?
Der Verlauf des Krieges zeigt eine zunehmende Eskalation des Konflikts. Bereits seit 2014 herrschte im Osten der Ukraine ein bewaffneter Konflikt zwischen ukrainischen Truppen und prorussischen Separatisten. Der Krieg forderte schon vor 2022 tausende Todesopfer.
Mit dem russischen Großangriff vom 24. Februar 2022 weitete sich der Konflikt massiv aus. Russland begründete den Angriff unter anderem mit dem Schutz russischsprachiger Menschen, der „Entmilitarisierung“ der Ukraine sowie Sicherheitsinteressen gegenüber der NATO. Die Ukraine und ein Großteil der internationalen Gemeinschaft bewerten den Angriff dagegen als völkerrechtswidrigen Angriffskrieg.
Im Verlauf des Krieges zeigte sich, dass beide Seiten den Konflikt nicht nur militärisch, sondern auch propagandistisch führen. Russland stellt den Krieg häufig als Verteidigung gegen westlichen Einfluss dar, während die Ukraine ihn als Kampf um nationale Unabhängigkeit und Freiheit interpretiert.
Zudem entwickelte sich der Krieg zunehmend zu einem internationalen Stellvertreterkonflikt. Westliche Staaten unterstützen die Ukraine finanziell, wirtschaftlich und militärisch. Russland wiederum versucht, seine Position durch eigene Bündnisse und wirtschaftliche Beziehungen zu stärken.
Viele Experten warnen deshalb davor, dass sich der Konflikt langfristig zu einer größeren Konfrontation zwischen „West“ und „Ost“ ausweiten könnte. Gemeint ist damit nicht nur ein Krieg zwischen Russland und der Ukraine, sondern eine umfassendere geopolitische Auseinandersetzung zwischen Russland und seinen Partnern auf der einen Seite sowie NATO, EU und den USA auf der anderen Seite. Die Gefahr direkter militärischer Zusammenstöße zwischen NATO-Staaten und Russland gilt als eines der größten sicherheitspolitischen Risiken der Gegenwart.
In diesem Zusammenhang wird häufig diskutiert, ob Russland den USA beziehungsweise dem Westen „schon immer ein Dorn im Auge“ gewesen sei. Tatsächlich war das Verhältnis zwischen Russland beziehungsweise der Sowjetunion und den USA über weite Teile des 20. Jahrhunderts vom Kalten Krieg, ideologischen Gegensätzen und geopolitischer Konkurrenz geprägt. Nach dem Zerfall der Sowjetunion hofften manche Politiker zeitweise auf eine engere Zusammenarbeit zwischen Russland und dem Westen. Andere sehen jedoch bis heute ein tiefes gegenseitiges Misstrauen fortbestehen.
Auch aktuelle politische Aussagen tragen zu dieser Wahrnehmung bei. Der deutsche Außenminister Johann Wadephul erklärte 2025, Russland werde „immer ein Feind und eine Gefahr für unsere europäische Sicherheit sein“. Kritiker solcher Aussagen warnen davor, dauerhafte Feindbilder zu verfestigen und diplomatische Lösungen zu erschweren. Befürworter argumentieren hingegen, dass Russlands Vorgehen in der Ukraine eine langfristige sicherheitspolitische Bedrohung für Europa darstelle.
Die Folgen des Krieges sind gravierend: hunderttausende Tote und Verwundete, massive Zerstörungen, Flüchtlingsbewegungen, wirtschaftliche Krisen und eine Verschärfung der Spannungen zwischen Russland und dem Westen. Gleichzeitig zeigt der Verlauf des Krieges, wie schwer moderne Konflikte militärisch eindeutig zu entscheiden sind.
3.) Welche Lösungsansätze gibt es?
Eine Lösung des Krieges ist äußerst schwierig, da beide Seiten zentrale Interessen bedroht sehen. Die Ukraine fordert die Wiederherstellung ihrer territorialen Integrität und Sicherheitsgarantien. Russland verlangt hingegen Sicherheitszusagen gegenüber der NATO und Einflussmöglichkeiten in seiner unmittelbaren Nachbarschaft.
Ein möglicher erster Schritt wäre ein Waffenstillstand. Dieser könnte weiteres Leid verhindern und Raum für diplomatische Verhandlungen schaffen. Allerdings besteht die Gefahr, dass beide Seiten einen Waffenstillstand lediglich zur militärischen Neuorganisation nutzen würden.
Langfristig wären internationale Sicherheitsgarantien notwendig. Denkbar wären Vereinbarungen über entmilitarisierte Zonen, internationale Beobachter oder neue europäische Sicherheitsabkommen. Auch die Rolle der NATO müsste dabei diskutiert werden, da viele Experten darin einen zentralen Streitpunkt des Konfliktes sehen.
Besonders schwierig bleibt die Frage der besetzten Gebiete wie der Krim oder Teilen des Donbas. Hier stehen das Selbstbestimmungsrecht von Bevölkerungen und die territoriale Integrität von Staaten in einem Spannungsverhältnis. Kompromisse wären politisch für beide Seiten schwer akzeptabel.
Darüber hinaus müsste ein langfristiger Frieden auch wirtschaftlichen Wiederaufbau, humanitäre Hilfe und eine schrittweise Wiederannäherung ermöglichen. Ohne gegenseitiges Vertrauen und internationale Vermittlung erscheint eine dauerhafte Lösung jedoch kaum erreichbar.
Schluss
Der Russland-Ukraine-Krieg ist weder ausschließlich als einfacher Angriffskrieg noch allein als Folge geopolitischer Machtpolitik zu verstehen. Vielmehr handelt es sich um einen komplexen Konflikt, in dem historische Erfahrungen, Sicherheitsinteressen, nationale Identität und internationale Machtfragen miteinander verbunden sind.
Der Kosovo-Krieg, die NATO-Osterweiterung, die Entwicklungen nach dem Zerfall der Sowjetunion sowie der Machtwechsel in der Ukraine 2014 haben das Verhältnis zwischen Russland und dem Westen nachhaltig belastet. Ebenso zeigt der Blick auf die Monroe-Doktrin und frühere militärische Interventionen der USA, dass Großmächte häufig in Einflusssphären denken und geopolitische Interessen verfolgen.
Gleichzeitig besteht die Gefahr, dass sich der Krieg von einem regionalen Konflikt zu einer umfassenderen Konfrontation zwischen Russland und dem Westen entwickelt. Gerade deshalb bleibt Diplomatie trotz aller Spannungen unverzichtbar.
Dennoch bleibt festzuhalten, dass militärische Gewalt langfristig kaum eine stabile Lösung schaffen kann. Eine dauerhafte Friedensordnung wird nur möglich sein, wenn Sicherheitsinteressen, staatliche Souveränität und internationale Stabilität gemeinsam berücksichtigt werden. Der Krieg zeigt damit auch, wie fragil die europäische Friedensordnung im 21. Jahrhundert geworden ist.
Ergänzung: Gliederungsartige Darstellung möglicher Lösungsansätze für den Russland-Ukraine-Krieg
I. Kurzfristige Maßnahmen
- Waffenstillstand
- Beendigung aktiver Kampfhandlungen
- Schutz der Zivilbevölkerung
- Einrichtung humanitärer Korridore
- Gefangenenaustausch
- Austausch von Kriegsgefangenen
- Rückführung von Verschleppten und Zivilisten
- Internationale Beobachtung
- Einsatz neutraler Beobachter
- Kontrolle von Waffenruhen
- Dokumentation möglicher Kriegsverbrechen
- Friedensverhandlungen
- Direkte Gespräche zwischen Russland und der Ukraine
- Vermittlung durch neutrale Staaten oder internationale Organisationen
- Sicherheitsgarantien
- Internationale Garantien für die territoriale Sicherheit der Ukraine
- Diskussion über Neutralitätsmodelle oder NATO-Fragen
- Neue europäische Sicherheitsordnung
- Gespräche zwischen Russland, NATO und EU
- Rüstungskontrolle und Vertrauensbildung
- Vermeidung weiterer militärischer Eskalationen
- Krim-Frage
- Internationale Verhandlungen
- Möglichkeit langfristiger Übergangslösungen
- Diskussion über Referenden unter internationaler Kontrolle
- Donbas-Region
- Autonomieregelungen
- Demilitarisierte Zonen
- Schutz von Minderheitenrechten
- Wiederaufbau der Ukraine
- Internationale Hilfsprogramme
- Infrastrukturaufbau
- Unterstützung von Flüchtlingen
- Wirtschaftliche Stabilisierung
- Lockerung oder Anpassung von Sanktionen bei Fortschritten im Friedensprozess
- Wiederaufnahme wirtschaftlicher Kooperationen
- Humanitäre Hilfe
- Versorgung der Bevölkerung
- Medizinische Hilfe
- Traumabewältigung und gesellschaftliche Versöhnung
- Vertrauensaufbau zwischen Russland und dem Westen
- Diplomatische Kontakte
- Gemeinsame Sicherheitsdialoge
- Vermeidung dauerhafter Feindbilder
- Verhinderung eines Ost-West-Konflikts
- Vermeidung direkter Konfrontationen zwischen NATO und Russland
- Internationale Krisendiplomatie
- Stärkung der Vereinten Nationen
- Dauerhafte Friedensordnung
- Anerkennung gegenseitiger Sicherheitsinteressen
- Gleichzeitiger Schutz staatlicher Souveränität
- Entwicklung stabiler europäischer Sicherheitsstrukturen
Zusammenfassung
Eine Lösung des Russland-Ukraine-Krieges erscheint nur durch eine Kombination aus Waffenstillstand, Diplomatie, Sicherheitsgarantien und langfristigem Vertrauensaufbau möglich. Gleichzeitig zeigt der Konflikt, wie schwierig es geworden ist, geopolitische Spannungen zwischen Großmächten friedlich auszugleichen. Um eine weitere Eskalation zwischen Russland und dem Westen zu verhindern, sind internationale Zusammenarbeit und diplomatische Lösungen langfristig unverzichtbar.
Rainer Langlitz
Anmerkungen:
Die Jahre 2013 und 2014 als Vorläufer des Russland-Ukraine-Krieges:
2013
Januar–Oktober 2013
- Regierung Janukowytsch verhandelt weiter mit der EU über das Assoziierungsabkommen.
- Russland erhöht wirtschaftlichen Druck auf die Ukraine.
- Opposition kritisiert Korruption, Machtkonzentration und Justiz gegen politische Gegner.
- In der Bevölkerung wächst die Debatte „Europa oder Russland“.
November 2013 – Beginn des Euromaidan
21. November 2013
Die ukrainische Regierung setzt überraschend die Vorbereitungen für das EU-Assoziierungsabkommen aus. Journalisten und Aktivisten rufen über soziale Medien zu Protesten auf dem Maidan in Kyjiw auf. Dies gilt als Beginn des Euromaidan.
24. November 2013
Mehr als 100.000 Menschen demonstrieren in Kyjiw proeuropäisch.
29. November 2013
Beim EU-Gipfel in Vilnius unterzeichnet Janukowytsch das Abkommen nicht.
Nacht 29./30. November 2013
Spezialeinheiten „Berkut“ räumen brutal den Maidan und schlagen Studentenproteste nieder. Die Gewalt radikalisiert die Protestbewegung.
Dezember 2013
1. Dezember 2013
Hunderttausende demonstrieren in Kyjiw. Regierungsgebäude werden besetzt. Es kommt zu schweren Zusammenstößen mit der Polizei.
8. Dezember 2013
Eine der größten Demonstrationen der ukrainischen Geschichte findet statt. Das Lenin-Denkmal in Kyjiw wird gestürzt.
11. Dezember 2013
Sicherheitskräfte versuchen erneut, den Maidan zu räumen, scheitern aber am Widerstand der Demonstranten.
Dezember 2013 allgemein
- Der Maidan entwickelt sich zu einer dauerhaften Proteststadt.
- Oppositionelle Parteien und Bürgergruppen organisieren Selbstverteidigungseinheiten.
- Russland bietet der Ukraine Milliardenkredite und günstigere Gaspreise an.
2014
Januar 2014 – Eskalation
16. Januar 2014
Das Parlament verabschiedet sogenannte „Diktaturgesetze“, die Proteste massiv einschränken.
19.–22. Januar 2014
Schwere Straßenschlachten auf der Hruschewskyj-Straße in Kyjiw. Erste Todesopfer durch Schüsse.
23.–27. Januar 2014
In vielen westukrainischen Regionen werden Verwaltungsgebäude besetzt.
28. Januar 2014
Ministerpräsident Mykola Asarow tritt zurück. Teile der Anti-Protestgesetze werden aufgehoben.
Februar 2014 – Revolution
18. Februar 2014
Demonstranten marschieren Richtung Parlament. Die Lage eskaliert massiv.
18.–20. Februar 2014
Die blutigsten Tage des Euromaidan:
- Scharfschützen schießen auf Demonstranten.
- Über 100 Menschen sterben („Himmlische Hundert“).
21. Februar 2014
Unter Vermittlung der Außenminister Deutschlands, Frankreichs und Polens wird ein Abkommen zwischen Regierung und Opposition geschlossen.
22. Februar 2014
Janukowytsch flieht aus Kyjiw. Das Parlament erklärt ihn für abgesetzt.
23.–27. Februar 2014
- Übergangsregierung entsteht.
- Russland bezeichnet die Ereignisse als verfassungswidrigen Umsturz.
Krimkrise 2014
27. Februar 2014
Bewaffnete Männer ohne Hoheitszeichen („grüne Männchen“) besetzen das Regionalparlament auf der Krim.
1. März 2014
Russlands Parlament genehmigt den Einsatz russischer Truppen in der Ukraine.
11. März 2014 Erklärung von Wiktor Janukowytsch
16. März 2014
Umstrittenes Referendum auf der Krim über Anschluss an Russland.
18. März 2014
Russland annektiert die Krim offiziell. Die Ukraine und die meisten Staaten erkennen dies nicht an.
Frühjahr 2014 – Beginn des Donbas-Krieges
April 2014
6.–12. April
Prorussische Gruppen besetzen Verwaltungsgebäude in Donezk, Luhansk und anderen Städten.
12. April 2014
Bewaffnete Separatisten übernehmen Slowjansk.
13. April 2014
Kyjiw startet die „Anti-Terror-Operation“ gegen bewaffnete Separatisten.
17. April 2014
Genfer Vereinbarung zwischen Ukraine, Russland, USA und EU zur Deeskalation.
Mai 2014
2. Mai 2014
Gewaltsame Zusammenstöße in Odessa; das Gewerkschaftshaus brennt. Dutzende Menschen sterben.
11. Mai 2014
Separatisten organisieren Referenden in Donezk und Luhansk.
25. Mai 2014
Petro Poroschenko wird zum Präsidenten gewählt.
Sommer 2014 – Krieg im Donbas
Juni 2014
- Intensive Kämpfe im Osten der Ukraine.
- Poroschenko kündigt Friedensplan an.
Juli 2014
5. Juli 2014
Ukrainische Truppen erobern Slowjansk zurück.
17. Juli 2014
Malaysia-Airlines-Flug MH17 wird über dem Donbas abgeschossen. 298 Menschen sterben.
August 2014
August 2014 allgemein
- Kämpfe eskalieren.
- Russland wird von westlichen Staaten beschuldigt, reguläre Truppen einzusetzen.
Ende August 2014
Ukrainische Einheiten geraten bei Ilowajsk in schwere Verluste.
Herbst 2014
5. September 2014
Minsk-I-Abkommen wird unterzeichnet:
- Waffenruhe
- Gefangenenaustausch
- politische Gespräche
Oktober 2014
Parlamentswahlen stärken proeuropäische Kräfte.
November 2014
Separatisten halten eigene Wahlen in Donezk und Luhansk ab.
Dezember 2014
- Waffenruhe bleibt instabil.
- Der Konflikt im Donbas verfestigt sich.
- Die Ukraine orientiert sich zunehmend Richtung EU und NATO.
- Russland und der Westen verschärfen gegenseitige Sanktionen.
Historische Bedeutung
Die Jahre 2013–2014 markieren:
- das Ende der Janukowytsch-Regierung,
- die „Revolution der Würde“,
- die Annexion der Krim durch Russland,
- den Beginn des russisch-ukrainischen Krieges,
- sowie eine dauerhafte geopolitische Neuausrichtung der Ukraine.
Die Rede von Dr. Gregor Gysi vom 13. März 2014:
"Antwort auf die Regierungserklärung der Bundeskanzlerin zur Situation in der Ukraine
Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Putin will die gesamte Krise in der Ukraine militärisch lösen. Er hat nicht begriffen, dass die Probleme der Menschheit weder mit Soldaten noch mit Gewehren zu lösen sind, ganz im Gegenteil.
(Beifall bei Abgeordneten der LINKEN)
Auch die Probleme Russlands lassen sich so nicht lösen.
(Beifall bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
Sein Denken und Handeln ist falsch und wird von uns deutlich verurteilt.
(Beifall bei der LINKEN sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
Es ist aber dasselbe Denken, das im Westen vorherrschte und vorherrscht: bei Jugoslawien, Afghanistan, dem Irak und Libyen.
(Widerspruch bei Abgeordneten der CDU/CSU und der SPD)
An die Stelle der Systemkonfrontation sind die Interessengegensätze der USA und Russlands getreten. Der Kalte Krieg ist beendet, aber solche Interessengegensätze können zu ganz ähnlichen Zügen führen.
Die USA wollen mehr Einfluss gewinnen und vorhandenen verteidigen, und Russland will mehr Einfluss gewinnen und vorhandenen verteidigen. Ich sage als Stichworte zu Russland nur: Georgien, Syrien, Ukraine.
Auch wenn man Putins Vorgehen verurteilt, muss man sehen, wie es zur gesamten Zuspitzung und Konfrontation kam. Ich sage es Ihnen ganz deutlich: Alles, was NATO und EU falsch machen konnten, haben sie falsch gemacht.
(Beifall bei der LINKEN)
Ich beginne bei Gorbatschow im Jahre 1990. Er schlug ein gemeinsames europäisches Haus, die Auflösung der NATO und des Warschauer Vertrages und ein Konzept der „Gemeinsamen Sicherheit“ mit Russland vor. Das hat die NATO ausgeschlagen. Sie hat gesagt: Den Warschauer Vertrag aufzulösen, ist okay, aber die NATO bleibt. Und aus dem Verteidigungsbündnis NATO wurde ein Interventionsbündnis gemacht.
Der zweite Fehler: Bei der Herstellung der deutschen Einheit erklärten der amerikanische Außenminister, unser damaliger Außenminister Genscher und andere Außenminister gegenüber Gorbatschow, dass es keine Osterweiterung der NATO geben wird. Dieses Versprechen ist gebrochen worden. Es gab eine vehemente Ausweitung der NATO in Richtung Russland.
Der ehemalige US-Verteidigungsminister Robert Gates bezeichnete die eilfertige Aufnahme der osteuropäischen Staaten in die NATO als schweren Fehler und den Versuch des Westens, die Ukraine in die NATO einzuladen, als schwere Provokation. Nicht ich, sondern der ehemalige US-amerikanische Verteidigungsminister hat das erklärt.
Der ehemalige US-Verteidigungsminister Robert Gates bezeichnete die eilfertige Aufnahme der osteuropäischen Staaten in die NATO als schweren Fehler und den Versuch des Westens, die Ukraine in die NATO einzuladen, als schwere Provokation. Nicht ich, sondern der ehemalige US-amerikanische Verteidigungsminister hat das erklärt.
Dann kam drittens der Beschluss, Raketen in Polen und Tschechien zu stationieren. Die russische Regierung sagte: Das tangiert unsere Sicherheitsinteressen; wir möchten das nicht. Das hat den Westen überhaupt nicht interessiert. Es wurde dennoch gemacht.
Zudem hat die NATO im Zusammenhang mit dem Jugoslawienkrieg das Völkerrecht mehrfach und schwer verletzt. Das räumt inzwischen auch der damalige Kanzler Schröder ein. Serbien hatte keinen anderen Staat angegriffen, und es gab keinen Beschluss des UN-Sicherheitsrates. Es wurde dennoch mit erstmaliger bundesdeutscher Beteiligung nach 1945 bombardiert. Und die Bewohnerinnen und Bewohner des Kosovo durften in einem Volksentscheid die Loslösung von Serbien beschließen.
Zudem hat die NATO im Zusammenhang mit dem Jugoslawienkrieg das Völkerrecht mehrfach und schwer verletzt. Das räumt inzwischen auch der damalige Kanzler Schröder ein. Serbien hatte keinen anderen Staat angegriffen, und es gab keinen Beschluss des UN-Sicherheitsrates. Es wurde dennoch mit erstmaliger bundesdeutscher Beteiligung nach 1945 bombardiert. Und die Bewohnerinnen und Bewohner des Kosovo durften in einem Volksentscheid die Loslösung von Serbien beschließen.
Ich habe damals die Völkerrechtsverletzung schwer kritisiert und Ihnen gesagt: Sie öffnen beim Kosovo eine Büchse der Pandora; denn wenn das im Kosovo erlaubt ist, müssen Sie es auch in anderen Gegenden erlauben. Sie haben mich beschimpft. Sie haben es nicht ernst genommen, und zwar weil Sie glaubten, solche Sieger im Kalten Krieg zu sein, dass alle alten Maßstäbe für Sie nicht mehr gelten. Ich sage Ihnen: Die Basken fragen, warum sie keinen Volksentscheid machen dürfen, ob sie zu Spanien gehören wollen oder nicht. Die Katalanen fragen, warum sie keinen Volksentscheid machen dürfen, ob sie zu Spanien gehören wollen oder nicht. Natürlich fragen das nun auch die Bewohnerinnen und Bewohner der Krim.
Durch Völkerrechtsverletzung kann man über Gewohnheitsrecht auch neues Völkerrecht schaffen; das wissen Sie. Ich bleibe aber der Meinung, dass die Abtrennung der Krim völkerrechtswidrig wäre, genauso wie die Abtrennung des Kosovo völkerrechtswidrig war.
(Beifall bei der LINKEN)
Ich wusste aber, dass sich Putin auf den Kosovo berufen wird, und er hat es auch getan. Jetzt sagen Sie, Frau Bundeskanzlerin: Die Situation ist doch eine völlig andere.
(Claudia Roth (Augsburg) (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Das ist sie auch!)
(Claudia Roth (Augsburg) (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Das ist sie auch!)
- Das kann schon sein. Sie verkennen aber: Völkerrechtsbruch ist Völkerrechtsbruch. Meine liebe Frau Roth, fragen Sie doch einmal einen Richter, ob ein Diebstahl aus edlerem Motiv im Vergleich zu einem Diebstahl aus unedlerem Motiv kein Diebstahl ist. Er wird Ihnen sagen: Es bleibt ein Diebstahl. - Das ist das Problem.
(Beifall bei der LINKEN - Zurufe des Abg. Jürgen Trittin (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN))
Herr Struck hat damals erklärt: Die Bunderepublik muss ihre Sicherheit am Hindukusch verteidigen. Nun erklärt Herr Putin: Russland muss seine Sicherheit auf der Krim verteidigen. Deutschland hatte am Hindukusch übrigens keine Flotte und war auch wesentlich weiter entfernt. Trotzdem sage ich: Beide Sätze waren bzw. sind falsch.
(Beifall bei der LINKEN)
Aber es bleibt auch Folgendes: Wenn viele Völkerrechtsverletzer dem Völkerrechtsverletzer Russland vorwerfen, das Völkerrecht zu verletzen, ist das nicht besonders wirksam und glaubwürdig. Das ist die Tatsache, mit der wir es zu tun haben.
(Beifall bei der LINKEN)
Obama sprach genauso wie Sie, Frau Bundeskanzlerin, von der Souveränität und territorialen Integrität der Staaten. Aber diese beiden Prinzipien wurden in Serbien, im Irak, in Libyen verletzt. Der Westen meinte, das Völkerrecht verletzen zu können, weil der Kalte Krieg vorbei sei. Man hat die chinesischen und die russischen Interessen grob unterschätzt. Sie haben Russland unter Jelzin, der häufig angetrunken war, überhaupt nicht mehr ernst genommen. Aber die Situation hat sich geändert. Sehr spät berufen Sie sich jetzt wieder auf die im Kalten Krieg entstandenen völkerrechtlichen Grundsätze. Ich bin sehr dafür, dass sie wieder gelten - aber dann für alle! Anders geht es nicht.
(Beifall bei der LINKEN)
Dann gab es das Gezerre zwischen der EU und Russland an der Ukraine. Beide dachten und handelten gleich. Barroso, der Kommissionschef der EU, hat gesagt: Entweder Zollunion mit Russland oder Verträge mit uns! Er hat nicht gesagt: „Beides“, sondern: „Entweder - oder!“. Putin hat gesagt: Entweder Verträge mit der EU oder mit uns! Beide haben gleichermaßen alternativ gedacht und gehandelt. Das war ein verheerender Fehler von beiden Seiten.
(Beifall bei der LINKEN)
Kein einziger EU-Außenminister hat versucht, mit der russischen Regierung zu sprechen und die berechtigten Sicherheitsinteressen Russlands überhaupt zur Kenntnis zu nehmen.
(Dr. Rolf Mützenich (SPD): Das stimmt doch gar nicht! - Weiterer Zuruf vom BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Stimmt doch gar nicht!)
Russland fürchtet doch, dass nach engeren Beziehungen mit der EU die NATO in die Ukraine kommt. Es fühlt sich immer eingekreister. Aber es wurde nur an der Ukraine gezerrt.
Die EU- und NATO-Außenminister haben die Geschichte Russlands und der Ukraine völlig unberücksichtigt gelassen. Sie haben die Bedeutung der Krim für Russland nie verstanden. Die ukrainische Gesellschaft ist tief gespalten.
Die EU- und NATO-Außenminister haben die Geschichte Russlands und der Ukraine völlig unberücksichtigt gelassen. Sie haben die Bedeutung der Krim für Russland nie verstanden. Die ukrainische Gesellschaft ist tief gespalten.
(Zuruf des Abg. Manuel Sarrazin (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN))
Auch das wurde nicht berücksichtigt. Diese tiefe Spaltung zeigte sich schon im Zweiten Weltkrieg, und sie zeigt sich auch heute. Die Ostukraine tendiert in Richtung Russland. Die Westukraine tendiert in Richtung Westeuropa. Es gibt derzeit keine einzige politische Persönlichkeit in der Ukraine, die beide Teile der Gesellschaft repräsentieren könnte. Das ist eine traurige Wahrheit.
Dann gibt es noch den Europarat und die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa, OSZE. Die haben Sie in letzter Zeit schwer vernachlässigt, Frau Bundeskanzlerin und Herr Außenminister. Die Gelder für diese Organisationen wurden immer mehr zusammengestrichen, weil Sie meinten, dass sie nicht wichtig sind. Das sind aber die einzigen europäischen Organisationen, in denen sowohl Russland als auch die Ukraine organisiert sind. Deshalb müssen wir diese Organisationen wieder stärken auch finanziell und dürfen nicht über einen Ausschluss Russlands faseln; das ist völlig daneben.
Dann gibt es noch den Europarat und die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa, OSZE. Die haben Sie in letzter Zeit schwer vernachlässigt, Frau Bundeskanzlerin und Herr Außenminister. Die Gelder für diese Organisationen wurden immer mehr zusammengestrichen, weil Sie meinten, dass sie nicht wichtig sind. Das sind aber die einzigen europäischen Organisationen, in denen sowohl Russland als auch die Ukraine organisiert sind. Deshalb müssen wir diese Organisationen wieder stärken auch finanziell und dürfen nicht über einen Ausschluss Russlands faseln; das ist völlig daneben.
(Beifall bei der LINKEN)
Dann erlebten wir eine starke Zuspitzung auf dem Maidan. Wir erlebten Scharfschützen und viele Tote. Es gibt verschiedene Gerüchte. In solchen Situationen wird viel gelogen. Deshalb schlagen wir vor, eine internationale Untersuchungskommission einzusetzen. Wir, aber vor allem die Ukrainerinnen und Ukrainer haben ein Recht, zu erfahren, was dort gelaufen ist und wer dort welche Verantwortung trägt. Ich freue mich, dass Sie, Frau Bundeskanzlerin, das unterstützen.
(Beifall bei der LINKEN)
Auf dem Maidan gab es viele demokratische Kräfte, aber auch Faschisten. Der Westen machte direkt und indirekt mit.
(Claudia Roth (Augsburg) (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Was? Bei den Faschisten? - Katrin Göring-Eckardt (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Bei den Faschisten oder was?)
Dann haben Außenminister Steinmeier, der französische und der polnische Außenminister mit Janukowitsch und der Opposition einen Vertrag geschlossen. Jetzt sagen Sie, Herr Außenminister, Janukowitsch habe die Vereinbarung durch seine Flucht hinfällig gemacht. Das ist falsch. Die Menschen auf dem Maidan lehnten die Vereinbarung mit großer Mehrheit ab,
(Manuel Sarrazin (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Es gab keine Abstimmung auf dem Maidan!)
und Sie, Herr Außenminister, haben auf dem Platz auch nicht für diese Vereinbarung geworben.
Erst nach der Ablehnung verließ Janukowitsch Kiew.
Dann tagte das Parlament und wählte ihn mit 72,88 Prozent ab.
Die Verfassung schreibt aber 75 Prozent vor. Nun sagen Herr Röttgen und andere: Na ja, bei einer Revolution kann man nicht so genau auf die Verfassung achten. Ein paar Prozentchen mehr oder weniger … Das kann man ja alles machen. Nur, Putin beruft sich darauf und sagt: „Es gab nicht die verfassungsmäßige Mehrheit für die Abwahl“,
(Manuel Sarrazin (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Über 80 Prozent, Herr Gysi!)
und stützt sich deshalb auf Schreiben, die Janukowitsch ihm sendet.
Außerdem: Bei der Abstimmung im Parlament standen lauter Bewaffnete herum. Das ist nicht besonders demokratisch. Bei der Volksabstimmung auf der Krim am kommenden Sonntag stehen auch lauter bewaffnete Soldaten herum. Auch das ist nicht besonders demokratisch.
Außerdem: Bei der Abstimmung im Parlament standen lauter Bewaffnete herum. Das ist nicht besonders demokratisch. Bei der Volksabstimmung auf der Krim am kommenden Sonntag stehen auch lauter bewaffnete Soldaten herum. Auch das ist nicht besonders demokratisch.
(Norbert Spinrath (SPD): Aha!)
Interessant ist, dass Sie, Frau Bundeskanzlerin, sagen, ein solcher Volksentscheid sei nach der ukrainischen Verfassung verboten. Wann gilt sie denn nun und wann nicht? Bei der Abwahl des Präsidenten gilt sie nicht, und bei der Abstimmung auf der Krim soll sie plötzlich gelten. Sie müssen schon wissen: Akzeptieren Sie die ukrainische Verfassung ganz oder nur in bestimmten Teilen, wenn es Ihnen genehm ist? Das ist die Art, die ich kenne und die ich nicht mag.
(Beifall bei der LINKEN)
Dann wurde eine neue Regierung gebildet, sofort anerkannt von Präsident Obama, auch von der EU, auch von der Bundesregierung. Frau Merkel! Der Vizepremierminister, der Verteidigungsminister, der Landwirtschaftsminister, der Umweltminister, der Generalstaatsanwalt das sind Faschisten. Der Chef des nationalen Sicherheitsrates war Gründungsmitglied der faschistischen Swoboda-Partei. Faschisten haben wichtige Posten und dominieren zum Beispiel den Sicherheitssektor. Noch nie haben Faschisten freiwillig die Macht wieder abgetreten, wenn sie einmal einen Teil davon erobert hatten.
(Zuruf von der CDU/CSU: Wie Kommunisten!)
Zumindest die Bundesregierung hätte hier eine Grenze ziehen müssen, schon aufgrund unserer Geschichte.
(Beifall bei der LINKEN)
Als Haiders FPÖ in die österreichische Regierung ging, gab es sogar Kontaktsperren und Ähnliches. Und bei den Faschisten in der Ukraine machen wir nichts? Swoboda hat engste Kontakte zur NPD und zu anderen Naziparteien in Europa. Der Vorsitzende dieser Partei, Oleg Tjagnibok, hat Folgendes wörtlich erklärt. Ich zitiere jetzt; Sie müssen sich anhören, was er wörtlich gesagt hat Anführungsstriche :
Schnappt euch die Gewehre, bekämpft die Russensäue, die Deutschen, die Judenschweine und andere Unarten.
Ende des Zitats. - Ich wiederhole. Dieser Mann hat gesagt Anführungsstriche :
Schnappt euch die Gewehre, bekämpft die Russensäue, die Deutschen, die Judenschweine und andere Unarten.
Schnappt euch die Gewehre, bekämpft die Russensäue, die Deutschen, die Judenschweine und andere Unarten.
Ende des Zitats. - Es gibt jetzt Übergriffe auf Jüdinnen und Juden und auf Linke, und gegen all das sagen Sie nichts? Mit diesen Swoboda-Leuten reden Sie? Ich empfinde das als einen Skandal. Ich muss Ihnen das ganz klar sagen.
(Beifall bei der LINKEN sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)
Jetzt wollen Sie auch das haben Sie angekündigt Sanktionen verhängen, wenn es nicht anders ginge, wie Sie sagen. Aber die werden Putin nicht imponieren. Das spitzt doch die Situation nur zu. Kissinger, der ehemalige Außenminister der USA, hat recht. Er sagt, die Sanktionen seien nicht Ausdruck einer Strategie, sondern Ausdruck des Fehlens einer Strategie. Das gilt auch für die eskalierenden Militärflüge über Polen und die baltischen Republiken. Was soll das?
Konten von Janukowitsch und seinen Anhängern sind gesperrt, weil es gestohlenes Staatsgeld sei Meine Frage: Das wussten Sie vorher nicht? - Zweite Frage: Warum eigentlich nur deren Konten? Was ist mit dem Milliardenvermögen der Oligarchen, die andere Kräfte unterstützen? Warum machen Sie da nichts? Wie einseitig läuft das eigentlich alles?
Konten von Janukowitsch und seinen Anhängern sind gesperrt, weil es gestohlenes Staatsgeld sei Meine Frage: Das wussten Sie vorher nicht? - Zweite Frage: Warum eigentlich nur deren Konten? Was ist mit dem Milliardenvermögen der Oligarchen, die andere Kräfte unterstützen? Warum machen Sie da nichts? Wie einseitig läuft das eigentlich alles?
(Beifall bei der LINKEN)
Es gibt nur den Weg der Diplomatie.
Erstens. Der Westen muss die legitimen Sicherheitsinteressen Russlands auf der Krim anerkennen, wie das übrigens auch US-Außenminister Kerry erkannt hat. Es muss ein Status für die Krim gefunden werden, mit dem die Ukraine, Russland und wir leben können.
Erstens. Der Westen muss die legitimen Sicherheitsinteressen Russlands auf der Krim anerkennen, wie das übrigens auch US-Außenminister Kerry erkannt hat. Es muss ein Status für die Krim gefunden werden, mit dem die Ukraine, Russland und wir leben können.
(Beifall bei Abgeordneten der LINKEN)
Russland muss garantiert werden, dass die Ukraine nicht Mitglied der NATO wird.
Zweitens. Die Perspektive der Ukraine liegt in einer Brückenfunktion zwischen EU und Russland.
Drittens. Es muss in der Ukraine ein Prozess der Verständigung und Versöhnung zwischen Ost und West eingeleitet werden, vielleicht über einen föderalen oder konföderalen Status, vielleicht auch über zwei Präsidenten.
Zweitens. Die Perspektive der Ukraine liegt in einer Brückenfunktion zwischen EU und Russland.
Drittens. Es muss in der Ukraine ein Prozess der Verständigung und Versöhnung zwischen Ost und West eingeleitet werden, vielleicht über einen föderalen oder konföderalen Status, vielleicht auch über zwei Präsidenten.
Was ich der EU und der NATO vorwerfe: Bis heute ist kein Verhältnis zu Russland gesucht und gefunden worden. Das muss sich jetzt gründlich ändern.
(Beifall bei der LINKEN)
Sicherheit in Europa gibt es weder ohne noch gegen Russland, sondern nur mit Russland. Wenn die Krise eines Tages überwunden ist, könnte ein Vorteil darin bestehen, dass das Völkerrecht endlich wieder von allen Seiten respektiert wird.
Danke schön.
Danke schön.
(Beifall bei der LINKEN sowie bei Abgeordneten des BÜNDNISSES 90/DIE GRÜNEN)"
Link und Quellenangabe:
https://www.dielinkebt.de/themen/reden/detail/ukraine-es-gibt-nur-den-weg-der-diplomatie/
https://www.dielinkebt.de/themen/reden/detail/ukraine-es-gibt-nur-den-weg-der-diplomatie/
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