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Sicherheitsinteressen, Machtpolitik und Wirtschaft: Eine andere Perspektive auf den Ukrainekrieg

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Sicherheitsinteressen, Machtpolitik und Wirtschaft: Eine andere Perspektive auf den Ukrainekrieg

Rainer Langlitz
Veröffentlicht von Rainer Langlitz in Essays · Freitag, 13. März 2026 · Lesezeit 6:30
Der Krieg in der Ukraine wird in der öffentlichen Debatte häufig vor allem als moralischer Konflikt zwischen Aggression und Verteidigung dargestellt. Diese Perspektive betont völkerrechtliche Prinzipien, nationale Souveränität und die humanitären Folgen des Krieges. Gleichzeitig greifen solche Darstellungen oft zu kurz, wenn es darum geht, die tieferliegenden Ursachen und Dynamiken des Konflikts vollständig zu verstehen.

Ein umfassender Blick auf den Ukrainekrieg muss auch geopolitische Sicherheitsinteressen, machtpolitische Strategien und wirtschaftliche Faktoren berücksichtigen. Staaten handeln in der internationalen Politik nicht nur aus normativen Überzeugungen, sondern auch aus dem Bestreben heraus, Einflusszonen zu sichern, strategische Vorteile zu wahren und wirtschaftliche Interessen zu schützen.

Dieser folgende Text verfolgt daher das Ziel, den Krieg aus einer erweiterten Perspektive zu betrachten. Ohne die menschlichen Tragödien und die Verletzung des Völkerrechts zu relativieren, soll analysiert werden, welche Rolle Sicherheitsdenken, Machtpolitik und ökonomische Interessen im Hintergrund des Konflikts spielen und wie sie das Verhalten der beteiligten Akteure beeinflussen.

Ich argumentiere mit Jeffrey Sachs, John Mearsheimer, Benjamin Abelow, Helmut Schmidt und auch hier mit Richard David Precht et. al. wie folgt:

Benjamin Abelow sagt:
"Die eigentliche Ursache des Krieges findet sich nicht in einem ungezügelten Expansionismus Putins ... sondern in einer dreißigjährigen Geschichte westlicher Provokationen gegen Russland, die mit der Auflösung der Sowjetunion begann."

John Mearsheimer sagt:
"Der Westen, und insbesondere Amerika, ist hauptverantwortlich für die Krise, die im Februar 2014 begann."

Jeffrey Sachs sagt:
"Unsere US-Außenpolitik liegt in den Händen von Rüstungskonzernen wie Raytheon und General Dynamics ... Die Bevölkerung wird über die Medien belogen ... Das ist unsere Lage. Es ist schrecklich."

Die USA sind Wirtschaftsimperialisten, während Russland seine Grenzen sichern will.
Russland agiert anders als die USA.

Auch Altbundeskanzler Helmut Schmidt hatte sich bereits 2007 entsprechend bei Sandra Maischberger in einem Interview geäußert. Sandra Maischberger fragte damals Helmut Schmidt, welche Art von Kompromiss man denn heute finden müsste, um Russland und die USA miteinander zu versöhnen. Helmut Schmidt antwortete: „Es geht derzeit nicht um territoriale Fragen. Es geht um die Frage der Ausdehnung amerikanischer Stützpunkte bis an die Grenzen der Sowjetunion. Das muss bei jedem russischen Generalstabsoffizier Besorgnisse auslösen. Die Amerikaner haben heute militärische Stützpunkte in ungefähr 60 Staaten der Welt - davon einige ganz dicht an der sowjetischen Grenze in Zentralasien und angeblich demnächst auf polnischem Boden, auf tschechischem Boden. Estland, Lettland, Litauen, Polen, das sind alles Mitglieder der NATO geworden. Das muss Unruhe auslösen, und ob es klug war, das darf man sich fragen.“
Das war bereits 2007!

Nun sehen wir, wie die USA völkerrechtswidrige Angriffskriege gegen Venezuela oder aktuell auch gegen den Iran (Grönland??) führen, und alles aus subjektiver Sichtweise ohne UNO-Mandat. Man hält sich nicht mehr an internationale Absprachen!

Der Angriff Russlands gegen das Land, das nun auch der NATO beitreten will und das Russland aber dringend als Pufferzone für einen möglichen USA/ NATO-Angriff benötigt, ist zu verurteilen. Er ist abzulehnen. Aber er ist aus Russlands Sicht erklärbar, denn  vielleicht könnten wir diese Angst einer "Perspektive der Bedrohung" auch Russland zugestehen? Ich erinnere noch einmal an die Worte eingangs von Helmut Schmidt aus dem Jahr 2007, als er völlig eindeutig diese Sicherheitsbedenken Russlands betonte. Richard David Precht hat völlig Recht! Man kann Putin nicht ernsthaft für einen "Irren" hinstellen, der auch noch Europa in sein angestrebtes Zarenreich holen möchte. Russland scheint sich wirklich in die Enge getrieben zu sehen!
Dieses Gefühl "in die Enge getrieben zu werden/zu sein" rechtfertigt zwar nicht diesen Angriffskrieg. Er ist und er war völkerrechtswidrig. Aber man braucht nicht so zu tun, als sei Russland imperialistisch orientiert. Die einzigen, die derzeit auf diesem Planeten imperialistisch denken, sind die Machthaber der USA: "Make America great again!" (MAGA). Es geht den USA u. a. auch um Wirtschaftsinteressen:

---> billiges Öl.
---> seltene Erden.
---> Rohstoffe (Lithium z. B.)
---> Gas.

Die USA sind Wirtschaftsimperialisten, während Russland seine Grenzen sichern will.
Russland agiert anders als die USA. Nicht Russland denkt zwangsläufig imperialistisch. Nein! Die USA führen Wirtschaftskriege. Es sind die USA und deren Machthaber, die am Öl und an den Bodenschätzen dieser Welt und am Handel nach ihrem Gustus interessiert sind. Warum ist denn Trump nur dann bereit, der Ukraine Sicherheitsgarantien zu gewähren, wenn im Gegenzug Selenskyj den USA seltene Erden abtritt, die die USA für ihre Wirtschaft benötigen?

Abschluss-These:
Es geht bei all diesen Konflikten und Kriegen um ein Geflecht von Sicherheitsinteressen, aber auch ganz stark um Wirtschaftsinteressen; und solange das Geld eine höhere Rolle als Ethik spielt, solange wird es immer diese verdammten Kriege geben. Niemand wird deswegen in der Zukunft Kriege verhindern können! Mit Diplomatie ("Deals" in der Sprache von Donald Trump) könnte man Menschenleben ggf. retten.

Jedoch:

An Waffen und am Krieg verdient wiederum eine ganze Reihe von Menschen, die ethisch nicht integer sind und die den Hals nicht voll genug kriegen können.

Auch hier gelten zwei grundsätzliche Wahrheiten/Axiome/Prinzipien:

1.) "GELD REGIERT DIE WELT."
2.) "pecunia non olet"

Noch einmal zurück zum Aspekt der Sicherheitsbedenken bzw. der Sicherheitsinteressen Russlands: Die Stationierung von Raketenbasen durch den sog. Westen u. a. in Polen, Rumänien und Tschechien angeblich (!) zur Abwehr von Raketenbeschuss aus dem Iran stellt eine erhebliche Provokation Russlands durch den Westen dar. Versteht man eigentlich, zu welchen Provokationen dies alles in Russland seitens des westlichen Verteidigungsbündnisses geführt hat, oder ignoriert man das alles etwa? Ich empfehle die Lektüre folgender Artikel:

„Wie der Westen den Krieg in die Ukraine brachte“.

Es geht dem Autor Benjamin Abelow dabei um die Frage, wie die USA reagieren würden, wenn Russland etwa auf Kuba Raketen aufstellen würde, die in Richtung des US-amerikanischen Territoriums zielen. In ähnlicher Weise, wie die USA nervös werden würden, so wurde de facto Russland extrem nervös und fühlte sich vom Westen provoziert, indem zuletzt u. a. auch in Polen Raketen stationiert wurden. So schrieb die TAZ bereits am 22. August 2008 in einem Artikel "Debatte US-Raketen in Polen" (Zitat):

"Die Idee, Polen sei durch die imperiale Politik Putins in seiner Unabhängigkeit bedroht, kann sich auf keinerlei Fakten stützen. Hinsichtlich der Ukraine wird mittlerweile der russischen Politik eine offene Annexionsabsicht unterstellt. Wie aber verhält es sich umgekehrt mit den russischen Befürchtungen hinsichtlich des Raketenschilds in Polen und Tschechien? Diese Befürchtungen sind zwar propagandistisch aufgebläht, aber -mittelfristig gesehen - nicht ganz grundlos."

Zitat Ende.

Quellenangabe und Link:


Zusammenfassend zeigt sich, dass der Ukrainekrieg ein komplexer Konflikt ist, der nicht nur durch moralische Bewertungen, sondern auch durch geopolitische Sicherheitsinteressen, machtpolitische Strategien und wirtschaftliche Faktoren geprägt wird.

Gleichzeitig hat der Krieg auf beiden Seiten großes menschliches Leid verursacht, und es gibt Berichte über schwere Kriegsverbrechen und Gräueltaten. Diese Tragödien verdeutlichen die brutalen Folgen moderner Kriege für Soldaten und Zivilbevölkerung.

Eine differenzierte Betrachtung dieses Kriege kann helfen, sowohl die politischen und wirtschaftlichen Hintergründe besser zu verstehen.

Einseitige Schwarz-Weiß-Malerei à la (im Westen sind die Guten, Russland ist der Böse) war noch nie richtig, und so ist es auch in diesem Krieg.

Wenn schon US-amerikanische Professoren diesen Russland-Ukraine so deuten, wie ich oben beschrieben habe, dann kann es nicht so weit hergeholt sein zu fordern, bei diesem Krieg eine andere Perspektive zu berücksichtigen.

Rainer Langlitz


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