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Politischer Kulturkampf gegen den Islam? Mein Plädoyer zur Beobachtung eines Bekenntnisses der FPÖ und der AfD zum Christentum

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Politischer Kulturkampf gegen den Islam? Mein Plädoyer zur Beobachtung eines Bekenntnisses der FPÖ und der AfD zum Christentum

Rainer Langlitz
Veröffentlicht von Rainer Langlitz in Essays · Samstag, 28. Februar 2026 · Lesezeit 10:15
Ich finde es falsch, wenn Parteien nicht neutral zu Religionen stehen. Ich finde es nicht gut, wenn sich CDU, CSU und nun auch AfD und FPÖ in Österreich in ihrer Parteiprogrammatik offiziell in einem Bekenntnis für das Christentum aussprechen.

Kurz gesagt: Dies wird m. E. zu einem Kulturkampf führen mit einer Spaltung und zur Hetze in unserer Gesellschaft, die auf einer freiheitlich demokratischen Grundordnung aufbauen will, gegenüber Muslimen. Stattdessen müsste zur Religionstoleranz und zur Religionsneutralität seitens der Regierung aufgerufen werden, denn Staat und Religion sind zu trennen!

Darüber hinaus sage ich in eigener Sache, dass ich sogar die drei monotheistischen Religionen aus theologischen Gründen nicht mehr gutheißen kann. Einen Atheismus schließe ich in meinem Denken jedoch auch aus. Meine religiöse Heimat konnte ich im Deismus finden.

Nun jedoch zum Kern dieses Blogbeitrags:

Ich würde behaupten wollen, die FPÖ und die AfD sind sich in ihrer politischen Programmatik ähnlich. Aus meiner Sicht betreiben beide Parteien (AfD und FPÖ) einen religiösen Kulturkampf: Die Angehörigen des Christentums sollen gegen die Angehörigen des Islam ausgespielt werden. Bei Herbert Kickl (FPÖ) und bei Beatrix von Storch (AfD) habe ich genau diesen Eindruck.

So postet Herbert Kickl am 27. Februar 2026 folgenden Text in Facebook (Zitat):

"
Der  christliche Glaube gehört zu unserer österreichischen Identität. Aus  diesem Grund haben wir ein gesegnetes Kreuz für unser Klubsitzungszimmer  besorgt, um uns zu diesem Erbe zu bekennen. Unser Dank gilt unserer  Abgeordneten Ricarda Berger, die sich darum gekümmert hat."


Kickl bringt also ein gesegnetes Kruzifix (Symbol für das Christentum) in einem Sitzungssaal der FPÖ an, was er scheinbar besonders betonen zu müssen glaubt.

In einem "Rückblick auf 10 Jahre Christen in der AfD" hält auch Beatrix von Storch (AfD) im Dezember 2025 ein Plädoyer für das Christentum.

Link und Quellenangabe:


Unabhängig davon, ob diese Liebesgeständnisse an das Christentum gleichzeitig eine Absage an den Islam sein sollen, hielte ich es für besser, wenn sich Parteien neutral gegenüber Religionen zeigen würden! Schließlich geht es um eine Trennung zwischen Staat und Religion!

Ich möchte an dieser Stelle - auch auf die Gefahr hin, dass ich etwas falschverstanden habe - deutlich Einspruch erheben gegenüber Herbert Kickl und gegenüber Beatrix von Storch:

Es geht nicht um das Christentum. Es sollte um Humanismus gehen!

Will Frau Beatrix von Storch das Christentum allen Ernstes in den Himmel loben?
Ja ! Das Christentum hat große Bedeutung. Kirchengeschichtlich! Ethisch! Theologisch! Auch humanistisch! Ok!

Ich  möchte jedoch zur Vorsicht rufen bei dem Gedanken, das Christentum  allzu schnell zu ehren, zu loben und auf einseitige Weise als gut  darzustellen.

Es gibt nicht umsonst das zehnbändige Werk "Die Kriminalgeschichte des Christentums" (Karlheinz Deschner).

Diese  Argumentation soll jedoch nicht dazu führen, etwa eine Religion wie den  Islam oder das Judentum als Alternative zu präferieren.
Wer nach der Wahrheit suchen will, der darf kein Ideologe im Sinne einer Religion präferieren.
Religion macht blind! Religion ist Opium für das Volk!

Und große Religionskritiker (Ludwig Feuerbach) sagten:

Am Anfang erschuf der Mensch Gott. (Projektionstheorie). Das sitzt!

Und diesen Satz muss man erstmal verarbeiten!

Aber gute Wissenschaftler sagten auch:

"Der  erste Schluck aus dem Becher der Wissenschaft macht atheistisch, aber  auf dem Grunde des Bechers wartet Gott." (Werner Heisenberg).

Ist Ihre Strategie etwa, Muslime, Anhänger des Islams, mit Hilfe einer Liaison mit dem Christentum in ihre Schranken zu weisen?

Es ist nicht völlig verkehrt, denn einige Fundamentalisten des Islam wollen allen Ernstes ein Kalifat hier in Deutschland.

Worum geht es Ihnen also wirklich, Frau von Storch, wenn man hier so sieht?

Um Religion? Sicherlich nicht!

Um Gott? Dass Sie sich für diese Form der Philosophie interessieren, nehme ich Ihnen nicht ganz ab.

Um Macht durch Politik mit Hilfe des Christentums? Genau darum scheint es Ihnen zu gehen.

Sie  von der AfD versuchen derzeit bei bestimmten Gruppen um Sympathie zu  werben wie z. B. derzeit auch bei der MAGA-Bewegung in den USA, wo Sie  Sympathisanten für Ihre Politik finden wollen, was ja nicht falsch ist.

Versucht man nun etwa seitens der AfD, bei der Kirche Sympathisanten zu gewinnen?

Ich meine:

Ich  habe kein Problem damit, wenn Herr Markus Frohnmaier (den Namen muss  man sich für die Zukunft merken - er ist eine starke Persönlichkeit) mit  einer Delegation in die USA reist und dort die schlechten Zustände  hinsichtlich Zensur und Meinungsfreiheit in Deutschland anprangert.  Immerhin sorgt Donald Trump sich darum, dass Bewegung in den  Ukraine-Krieg kommt, was unter einer Kamala Harris wohl sicherlich nicht  hätte erwartet werden können.

Aber wenn nun auch das Christentum als Vorzeige-Religion hochgelobt wird, dann schrillen bei mir die Alarmglocken!

  • Pädophile Priester!

  • Doppelmoral der Institution "Kirche"!

  • Konkordate  zwischen der katholischen Kirche und Adolf Hitler (Reichskonkordat)  bzw. mit Francisco Franco (Babyraub) - beide (Hitler ubd Franco) waren  Faschisten...!

Und nun kommen Sie, Frau von Storch, daher und wollen das Christentum sozusagen in den Himmel loben?

Ist Ihnen eigentlich bewusst, wieviel "Dreck die Institution 'Kirche' am Stecken hat"?

Sie können nicht allen Ernstes Christentum und Islam gegeneinander ausspielen wollen!

Vielleicht wollen Sie irgendwann auch noch Christentum und Judentum gegeneinander ausspielen.

Fragen Sie lieber nach den gemeinsamen Wurzeln und den Gemeinsamkeiten:

All jenen Religionen ist die Frage nach Gott gemein.

All diese Religionen fragen nach "Gott".

Wer oder was ist denn aber Gott ?

Und wie sollen sich denn Ihrer Meinung nach Religion, Kultur und Politik miteinander arrangieren ?

Nein!

Unterlassen Sie bitte bitte diesen "billigen" Versuch (Trick??), um Sympathie bei Kirchenvertretern zu werben.

Nach der Wahrheit zu fragen, ist prinzipiell etwas Gutes.

Das Christentum verkörpert aber keineswegs die (!) Wahrheit (vgl. dazu die Ringparabel in Lessings 'Nathan der Weise').

Fragen Sie stattdessen gleich nach Gott und nicht über Umwege über eine Religion wie das Christentum...

Gott ist die Wahrheit, oder? - für mich ganz gewiss, und zwar im Sinne des Deismus!

Fragen Sie besser nicht Lieschen Müller (Kirche), fragen Sie doch gleich nach dem Chef (Gott)!
Instrumentalisieren Sie, bitte, nicht diese verlogene Institution namens 'Kirche'!

Eine Errungenschaft der Moderne war die Trennung von Staat und Kirche.

Lassen Sie Religion(en) Religionen sein.

Bekämpfen Sie islamische Fundamentalisten nicht, indem Sie das Christentum stärken wollen!

Ich  persönlich halte nur noch vernachlässigend wenig von den  monotheistischen Religionen (Judentum, Christentum und Islam) im Ganzen.  Ich mag alle drei monotheistischen Religionen nicht mehr so sehr, um  nicht zu sagen gar nicht mehr...

Hören Sie deswegen, bitte, auf, zwischen AfD und Kirche eine Liaison aufbauen zu wollen.

Fragen Sie stattdessen lieber direkt nach der Wahrheit und insofern direkt nach Gott:

  • Wie kann Gerechtigkeit umgesetzt werden?

  • Wie kann mehr Frieden entstehen?

  • Wie  können in Zukunft die Gräben (auch und besonders in Deutschland, in  Europa und mit Russland) geschlossen werden und mehr Eintracht statt  Zwietracht bzw. mehr Zustimmung für Ihre Politik (statt Ablehnung)  erreicht werden?

Das Christentum sich als Vorbild zu nehmen, ist aus meiner Sicht verkehrt. Ja  ! Die Ansätze in den Schriften der christlichen Urgemeinde sind nicht  ganz verkehrt z. B. wenn von Barmherzigkeit dem Sünder gegenüber  gesprochen wird, von Nächstenliebe, von Hoffnung und von Freude (durch  die Botschaft an Weihnachten z. B.). Betrachtet man diese  monotheistischen Religionen aber intensiver, dann fragt man sich doch:

  • Wo war eine Offenbarung Gottes 1755 beim Erdbeben von Lissabon?
  • Wo war eine Offenbarung Gottes in Auschwitz?
  • Wo  war eine Offenbarung Gottes, als in Japan von christlichen  US-Amerikanern zwei Atombomben auf andere Menschen abgeworfen wurden?

Nein! Stilisieren das Christentum bitte nicht zu hoch!

Fragen Sie lieber nach Gott selbst! Gehen Sie nicht den Umweg über den Monotheismus!

Beschäftigen Sie sich lieber gleich mit dem Deismus!

Es wäre aus meiner Sicht ebenso falsch, den Atheismus zu konsultieren.

Aber ebenso ist es falsch, das Christentum zu Rate ziehen zu wollen.

Gehen Sie deshalb bitte den gesunden Weg der Mitte, der da hieße:

DEISMUS

Religionen zu favorisieren, ist bereits im Mittelalter schiefgegangen.

Luther kritisierte zurecht die Kirche in Rom und nannte den Papst den 'Antichristen'.

Die Sozialgesetze und der Kulturkampf unter Bismarck sollen nicht umsonst gewesen sein.

Ich möchte kein Wiedererstarken des Christentums.

Ich möchte überhaupt keinen Monotheismus mehr!

Das Christentum als eine der drei monotheistischen Religionen hat drei große Hypotheken (vgl. Herbert Schnädelbach):

  1. Die Lehre des christlichen Monotheismus, die zu Rechthaberei, Hinrichtungen und sogar zu Glaubenskriegen führte.
  2. Die Erbsündenlehre, die den Menschen von Beginn an als schlecht und böse ansieht.
  3. Die  Rezeption Platons im Christentum und damit dessen Lehre vom Dualismus  zwischen Leib und Seele und infolgedessen die damit verbundene  Leibfeindlichkeit - nicht nur in der Sexualmorallehre der  römisch-katholischen kirche.

Mein Plädoyer lautet daher:

Gott ja!
Kirche nein!
Deismus ja!
Monotheismus nein!

Da  wir allerdings erstmal die sog. monotheistischen Religionen nicht  abschaffen können, bleibt es bei der Forderung Lessings nach  gegenseitigem Respekt und gegenseitiger Toleranz.

Vielleicht verstehen die Angehörigen dieser drei Religionen irgendwann einmal, dass sie ihre Ansichten vielleicht noch einmal überdenken sollten:

1.) Gebete haben noch nie ein Eingreifen Gottes bewirkt.

2.) Diese Welt funktioniert nach Naturgesetzen und nicht gemäß einem Eingreifen Gottes. Warum Gott nicht eingreift, das vermag selbst der Deismus nicht zu 100% logisch zu beantworten. Aber der Deismus ist an dieser Stelle wesentlich sinnvoller als eine supranaturalistisch eingestellte Religion wie das Christentum.

3.) Der Supranaturalismus des Christentums (Wunder, Menschwerdung Gottes, Jungfrauengeburt sowie Auferstehung von Toten innerhalb der Wirklichkeit) erinnert eher an Märchen, und dann können wir demnächst gerne auch die Geschichten der Gebrüder Grimm als Lesungen im der Kirche sonntags vorschlagen!

Ich plädiere also, ihn die Richtung von Frau von Storch gesprochen, für mehr Vernunft, Wahrhaftigkeit und wahren (!) Humanismus.

Hören Sie also deswegen bitte auf, dieser scheinheiligen Institution namens Kirche, die im Übrigen ja auch keine Skrupel hat, Waffen (!), die für mich Mordinstrumente sind, zu segnen (!), den Hof zu machen!

Auch an die Adresse von Herbert Kickl möchte ich auf ähnliche inhaltliche Weise schreiben:

Es geht im besseren Fall nicht um das Christentum. Es geht um die Suche nach Gott als absolute Wahrheit.

Es heißt:

  • "Suche zuerst nach dem Reich Gottes!"

  • "...so wahr mir Gott helfe..."

  • "Du sollst Gott und deinen Nächsten lieben wie dich selbst!"

Ich halte es für wichtiger, Gott als Form der Instanz für uns Menschen in den Mittelpunkt zu rücken.

Dies würde mehr Toleranz unter den drei monotheistischen Religionen bringen.

Ich vermute in der Agitation von Herbert Kickl und der FPÖ  (hier: Betonung der Segnung eines Kruzifixes und dem Anbringen im Sitzungssaal) einen Aufruf zum politischen bzw. gesellschaftlichen Kampf gegen den Islam bzw. gegen Muslime.

Letzteres schürt und forciert Unruhe in unseren Gesellschaften.

Richtig ist: Die Fundamentalisten des Islam müssen ihre Bestrebungen klipp und klar aufgeben, in unseren Gesellschaften (freiheitliche demokratische Grundordnung) so etwas wie ein Kalifat bzw. eine Gesetzgebung nach dem Scharia-Modell zu installieren.

Was Herr Kickl von der FPÖ jedoch scheinbar betreibt, ist, eine Liaison mit dem Christentum dazu zu instrumentalisieren, den Islam, der auch eine Berechtigung hat, zu bekämpfen/zu vertreiben/auszuschalten, was nicht fair ist. Ich selbst habe auch bestimmte Vorbehalte gegen Manches im Islam wie z. B. die Ungleichbehandlung von Frauen oder bestimmte Aufrufe dazu, Ungläubige zu 'beseitigen' bzw. Vorstellungen eines Gottesstaates, in dem die Gesetze des Koran gelten sollen. Aber ich pflege diese Vorbehalte auch gegen das Christentum z. B. in der Sexualmorallehre hinsichtlich der Akzeptanz von Schwulen und Lesben bzw. Bisexuellen.
Kickl tut demnach von der FPÖ in Österreich so - und das versucht die AfD in Deutschland derzeit ähnlich (siehe Beatrix von Storch) - als sei das Christentum ethisch bzw. religiös bzw. kulturell zu priorisieren/dem Islam vorzuziehen. Kickl vergisst dabei, wie viele Menschen, die dem Islam angehören, tatsächlich mittlerweile in Europa in den sog. westlichen Ländern leben und beheimatet sind.

  • Wichtiger wäre mir persönlich ein Aufruf zu Religionstoleranz und zu einem friedlichen Miteinander.

  • Wichtig wäre mir darüberhinaus zu betonen, dass Religion und Staat zu trennen sind!

DANKE für die Aufmerksamkeit!

Rainer Langlitz


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